Das Antidepressivum ist abgesetzt. Die Nebenwirkungen sind geblieben.
- Sexualität, Gefühl, Gedächtnis und Schlaf können abstumpfen.
- Es tritt bei SSRI und SNRI auf. Tausende Menschen berichten davon.
- Kein ICD-Code. Keine Behandlung. Nur teilweise anerkannt.
Die EMA hat 2019 anerkannt: Die sexuellen Nebenwirkungen können nach dem Absetzen bleiben.EMA PRAC, 2019
Zwischen den ersten Berichten und der offiziellen Anerkennung lagen 32 Jahre.Behördliche Aktenlage
Über 60 Millionen Verordnungen pro Jahr. In der ärztlichen Ausbildung kommt das so gut wie nie vor.Verordnungsdaten
PSSD hat keinen eigenen ICD-Code. Also zählt niemand die Fälle.ICD-10 F52.8
Was ist PSSD?
Bei PSSD verschwinden die Nebenwirkungen eines Antidepressivums nicht, wenn Sie es absetzen. Betroffen sein können Sexualität, Gefühl und Denken. Das kann Wochen, Monate oder Jahre anhalten.
Warum die Beschwerden bleiben, weiß bislang niemand. Eine Vermutung: Das Medikament verändert, wie Gene an- und abgeschaltet werden.
Die EMA hat PSSD 2019 anerkannt. In ganz Europa mussten daraufhin die Fachinformationen geändert werden. Die meisten Ärztinnen und Ärzte, die diese Mittel verschreiben, wissen bis heute nichts davon. Es gibt keinen Test und keine zugelassene Behandlung.
Symptome, die nicht vergehen
Sie können während der Einnahme beginnen oder erst nach dem Absetzen.
Sexuell
5- Taubheitsgefühl im Genitalbereich oder deutlich weniger Empfinden
- Überhaupt kein sexuelles Verlangen
- Erektionsstörungen
- Orgasmen fühlen sich schwach an oder nach gar nichts
- Scheidentrockenheit
Denken und Fühlen
5- Emotionale Abstumpfung (Gefühle werden flach)
- Anhedonie (keine Freude mehr empfinden)
- Sich unwirklich fühlen oder von sich selbst abgeschnitten
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Gestörter Schlaf oder Schlaflosigkeit
Körperlich
3- Müdigkeit, die nicht vergeht
- Weniger Empfinden in der Haut
- Muskelschwäche
Die Liste ist eine Auswahl. Sie zeigt die Symptome, von denen Betroffene am häufigsten berichten.
PSSD in Zahlen
Bis zur Anerkennung vergingen 32 Jahre
Die FDA lässt Prozac zu
In den Studien treten sexuelle Nebenwirkungen bei 2-16 % der Teilnehmenden auf. Dem Hersteller wird später vorgeworfen, zu wenige Fälle gemeldet zu haben.
GSK zahlt 3 Milliarden Dollar
GlaxoSmithKline zahlt die höchste Vergleichssumme wegen Betrugs im Gesundheitswesen in der Geschichte der USA. Es ging unter anderem um Study 329 und um den Verkauf von Paxil (Paroxetin) an Kinder.
Die EMA erkennt PSSD an
Die Europäische Arzneimittel-Agentur erkennt an, dass die sexuellen Nebenwirkungen nach dem Absetzen bleiben können. In ganz Europa werden die Fachinformationen geändert.
Es gibt einen MedDRA-Code - aber gut versteckt
MedDRA nimmt den Begriff „Post-SSRI sexual dysfunction“ auf (Code 10086208). Er steht aber unter dem weiter gefassten Begriff „Sexual dysfunction“, sodass die Meldungen in einer allgemeinen Gruppe untergehen. Die Arzneimittelbehörden zählen PSSD weiterhin nicht gesondert.
Die FDA lehnt eine Petition ab
Public Citizen fordert von der FDA strengere Warnhinweise. Die FDA lehnt ab. Betroffene in den USA bleiben ohne diesen Schutz.
Was die Forschung sagt
Bezahlt wird diese Arbeit von Betroffenen und unabhängigen Forschenden. Kein Pharmaunternehmen hat sie öffentlich finanziert.
Healy et al.
PSSD ist eine eigenständige Erkrankung. Sexualität, Gefühle und Denken sind betroffen, und das hält an.
Giatti et al. (2025)
Im Tierversuch führte Paroxetin zu anhaltenden Veränderungen am Botenstoff Dopamin.
Csoka & Szyf (2009)
SSRI verändern möglicherweise, wie Gene an- und abgeschaltet werden, und diese Veränderung kann das Absetzen überdauern.
Rice et al. (2025)
Betroffene schildern, was PSSD aus ihrem Leben gemacht hat und wie schwer es war, dass ihnen jemand glaubt.
Um welche Medikamente es geht
Es geht um eine ganze Wirkstoffklasse, nicht um ein einzelnes Medikament. Am häufigsten genannt wird Paroxetin.
Die Liste ist eine Auswahl. Sie zeigt die Medikamente, die am häufigsten gemeldet werden. Jedes Mittel, das auf Serotonin wirkt, kann dasselbe Risiko bergen - auch wenn es aus anderen Gründen verschrieben wird.
Die meisten Fälle erreichen die Daten nie
Nur sehr wenige PSSD-Fälle werden überhaupt gemeldet. Die offiziellen Zahlen liegen deshalb weit zu niedrig.
Kein eigener ICD-Code
PSSD hat keinen ICD-Code, also keinen Code, unter dem ein Gesundheitssystem eine Krankheit führt. Orphanet ordnet PSSD nur F52.8 zu, einer allgemeinen Sammelkategorie für „sonstige sexuelle Funktionsstörungen“. So zählt kein System die Fälle.
Betroffene stellen den Zusammenhang nicht her
Vielen sagt niemand, dass ein SSRI das auslösen kann. Hört es nicht auf, schieben sie es auf das Alter, auf Stress oder auf ihre Depression.
Ärztinnen und Ärzte winken ab
Viele halten es für eine Folge der Depression, nicht des Medikaments. Gemeldet wird es dann nie.
Zu wenige Meldungen verzerren die Datenlage
Was gemeldet wird, bildet die Datenlage. Eine Nebenwirkung, die selten gemeldet wird, wirkt seltener, als sie ist. Melden Sie sie deshalb.
Wo Sie Hilfe finden
Sie sind damit nicht allein. Hier können Sie anfangen.
WhatsApp-Gruppen
Geschlossene, moderierte Gruppen für Menschen mit PSSD.
Ins Patientenregister eintragen
Tragen Sie Ihren Fall ins Register von SIDEfxHUB ein. Ihre Daten bleiben anonym und helfen der Forschung.
Nebenwirkungen melden
Melden Sie sie bei der zuständigen Arzneimittelbehörde, in Deutschland beim BfArM. Wenige Meldungen lassen ein Medikament sicherer aussehen, als es ist.
Wissensbibliothek
Fachartikel, Erfahrungsberichte, Nachrichten und praktische Hilfe an einem Ort.
Quellen und Datenbanken
Alles auf dieser Seite stammt aus Fachpublikationen und offiziellen Datenbanken.
PubMed - Forschung zu PSSD
Die veröffentlichte Forschung zu PSSD durchsuchen.
PubMed durchsuchen →EMA - Anerkennung von PSSD
Die EMA-Entscheidung von 2019, mit der PSSD anerkannt wurde.
Entscheidung ansehen →FDA FAERS
Das Adverse Event Reporting System der FDA. Die wichtigste US-Datenbank für Meldungen zur Arzneimittelsicherheit.
Datenbank öffnen →PSSD Network
Eine Patientenorganisation, die Kampagnen führt und Forschung zu PSSD finanziert.
Website öffnen →RxISK - PSSD
Unabhängige Forschung zur Arzneimittelsicherheit und Hilfe bei PSSD.
Website öffnen →WHO VigiBase
Die weltweite Datenbank der WHO mit Einzelfallmeldungen zur Arzneimittelsicherheit.
Datenbank öffnen →Ich glaube, ich habe PSSD. Was jetzt?
Wenn Sie diese Symptome wiedererkennen: Diese 5 Schritte können Sie sofort gehen.
Sie bilden sich das nicht ein
Die EMA erkennt PSSD an, und die Forschung beschreibt es. Tausende Menschen haben dieselben Symptome.
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Melden Sie Ihre Nebenwirkungen
Unsere Anleitung zum Melden zeigt den Weg zur zuständigen Arzneimittelbehörde, in Deutschland zum BfArM. Jede Meldung macht es schwerer, das zu übergehen.
Informieren Sie sich über das Leben mit PSSD
Unsere Wissensbibliothek enthält Ratgeber zum Umgang mit PSSD, zum Arztgespräch und zum Alltag.
Tragen Sie sich ins Register ein
Erfassen Sie Ihre Erfahrung - anonym. Ihre Daten helfen der Forschung und zeigen, wie viele Menschen betroffen sind.
Helfen Sie mit, Belege zu sammeln
Jeder Eintrag ist ein Datenpunkt, auf den Forschende und Arzneimittelbehörden reagieren können. Genau das hat PSSD 2019 die Anerkennung der EMA gebracht. Es dauert etwa 3 Minuten, und Sie können anonym bleiben.