Sexuelle Nebenwirkungen: 8 Arten Medikamente
Viele Medikamente haben sexuelle Nebenwirkungen. Britische Packungsbeilagen warnen bei SSRI, Finasterid, Isotretinoin: auch nach Absetzen (PSSD, PFS, PAS).
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Viele Medikamente können während der Einnahme sexuelle Nebenwirkungen auslösen, darunter Antidepressiva, Betablocker und manche Schmerzmittel. Bei SSRI, Finasterid und Isotretinoin warnen britische Packungsbeilagen außerdem, dass die Probleme nach dem Absetzen anhalten können. Man spricht dann von einer sexuellen Funktionsstörung nach SSRI-Einnahme (PSSD), vom Post-Finasterid-Syndrom (PFS) und vom Post-Accutane-Syndrom (PAS).
Die National Library of Medicine der USA führt eine Liste von Medikamenten, die Erektionsstörungen auslösen können (auf Englisch). Was nach dem Absetzen geschieht, steht dort nicht. Das ist gut zu wissen, bevor Sie mit einem Medikament beginnen. Und es ist eine Meldung wert, wenn Sie es abgesetzt haben und sich Sex immer noch anders anfühlt.
Das Wichtigste in drei Punkten
- Der britische Gesundheitsdienst NHS und britische Packungsbeilagen nennen bei vielen Arten von Medikamenten sexuelle Nebenwirkungen, von Betablockern bis Morphin (beide auf Englisch).
- Bei SSRI, Finasterid und Isotretinoin warnen die britischen Packungsbeilagen außerdem, dass sexuelle Probleme nach dem Absetzen bestehen geblieben sind (Packungsbeilagen zu Sertralin, Finasterid und Isotretinoin, alle auf Englisch).
- Niemand hat gezählt, wie oft (Expertenpapier von 2022, auf Englisch). Betroffene nennen es PSSD, PFS oder PAS.
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Elliott Brown, ein Comedian aus London, las die Packungsbeilage seiner Antidepressiva. Er rechnete mit Kopfschmerzen. „Weiter unten stand ausbleibender Samenerguss“, sagte er BBC News, „und darunter verzögerter Samenerguss.“
Elliott sagt, das sei es wert: „Ich glaube nicht, dass ich ohne sie noch hier wäre.“ Connor, dessen Namen die BBC geändert hat, hatte Sertralin fast zwölf Monate zuvor abgesetzt. „Ich habe immer noch ein Taubheitsgefühl im Genitalbereich“, sagt er.
Welche Medikamente können sexuelle Nebenwirkungen haben?
Eine ganze Reihe. Bei diesen acht Arten von Medikamenten nennt die NHS-Seite oder die britische Packungsbeilage eine sexuelle Nebenwirkung. Sie stehen in alphabetischer Reihenfolge, und die Reihenfolge hat nichts zu bedeuten.
- Antidepressiva, darunter SSRI wie Sertralin. Der NHS (auf Englisch) nennt verminderte Libido, Schwierigkeiten, zum Orgasmus zu kommen, Scheidentrockenheit und Erektionsstörungen.
- Antipsychotika (Neuroleptika), etwa Olanzapin. Der NHS (auf Englisch) erwähnt eine verminderte Libido und Erektionsstörungen.
- Betablocker, für Herz und Blutdruck. Der NHS (auf Englisch) nennt Erektionsstörungen.
- Finasterid, gegen Haarausfall oder für die Prostata. Der NHS (auf Englisch) nennt Erektionsstörungen, weniger Interesse an Sex und Probleme beim Samenerguss.
- Gabapentin und Pregabalin, gegen Epilepsie und Nervenschmerzen. Der NHS nennt Erektionsstörungen für Gabapentin und Pregabalin (beide auf Englisch).
- Isotretinoin, die Aknekapsel. Der NHS (auf Englisch) nennt Erektionsstörungen und verminderte Libido.
- Opioid-Schmerzmittel, etwa Morphin. Die Packungsbeilage zu Zomorph (auf Englisch) nennt Impotenz und eine verminderte Libido.
- Tamsulosin, ein Prostatamedikament. Der NHS (auf Englisch) nennt Probleme beim Samenerguss.
Die Liste ist nicht vollständig. Dass ein Medikament darauf steht, sagt auch nichts darüber, wie oft ein Problem auftritt. Und ein Medikament ist nicht die einzige mögliche Ursache. Um die anderen geht es in unseren Artikeln über wenig Lust auf Sex mit 20 und Erektionsstörungen mit 20.
Können sexuelle Nebenwirkungen nach dem Absetzen anhalten?
Bei manchen Menschen ja. Bei dreien aus der Liste steht es in einer britischen Packungsbeilage.
- Finasterid. Die Packungsbeilage zu Propecia (auf Englisch) nennt „anhaltende Schwierigkeiten, nach Beendigung der Behandlung eine Erektion zu bekommen“. Betroffene sprechen vom Post-Finasterid-Syndrom, kurz PFS. In der Packungsbeilage zu Dutasterid, einem ähnlichen Prostatamedikament, steht ein vergleichbarer Satz.
- Isotretinoin. In der Packungsbeilage zu Roaccutane (auf Englisch) heißt es, es gebe Meldungen über „lang anhaltende sexuelle Probleme, bei denen die Symptome trotz Beendigung der Behandlung bestehen geblieben sind“. Das ist als Post-Accutane-Syndrom bekannt, kurz PAS.
- SSRI- und SNRI-Antidepressiva. In der Packungsbeilage zu Sertralin (auf Englisch) heißt es: „In bestimmten Fällen blieben diese Symptome nach Beendigung der Behandlung bestehen.“ Dasselbe steht in der Packungsbeilage zu Venlafaxin (auf Englisch), einem SNRI. Halten die Symptome an, spricht man von einer sexuellen Funktionsstörung nach SSRI-Einnahme, kurz PSSD. Mehr dazu steht in unserem Artikel über sexuelle Probleme durch Antidepressiva.
Das ist der einzige Unterschied, auf den wir hinweisen: was in den Dokumenten steht. Die Seiten, die wir zu den anderen fünf gelesen haben, erwähnen sexuelle Nebenwirkungen nach dem Absetzen nicht. Sie sagen dazu weder das eine noch das andere.
Zu allen dreien haben Arzneimittelbehörden etwas veröffentlicht.
Drei Warnhinweise, drei datierte Dokumente
Niemand hat gezählt, wie oft das vorkommt, schreiben die Autorinnen und Autoren der 2022 erschienenen Diagnosekriterien (auf Englisch) für die drei Erkrankungen. Bei manchen Menschen hat es nach dem Absetzen Jahre angehalten. Noch weiß niemand, wen es trifft und ob es nachlässt.
Ab wann eine Nebenwirkung als anhaltend gilt, erklärt unser Artikel über Nebenwirkungen nach dem Absetzen.
Wo finde ich den Warnhinweis?
Oft steht er nicht in der Liste der Nebenwirkungen. Britische Packungsbeilagen haben nummerierte Abschnitte, und die Liste ist Abschnitt 4. Dort steht auch der „ausbleibende Samenerguss“, der im BBC-Film vorgelesen wird.
In der Packungsbeilage zu Sertralin kommt der Satz über das Absetzen früher. Er steht in Abschnitt 2, der erklärt, was Sie vor der Einnahme wissen müssen, unter „Sexual problems“ (sexuelle Probleme). Auch in der Packungsbeilage zu Isotretinoin steht er in Abschnitt 2, in der zu Finasterid weit unten in Abschnitt 4. Wer nur die Liste durchliest, kann den Satz übersehen.
Stand Oktober 2026 steht es auf der NHS-Website bei zwei der drei. Probleme „können nach dem Absetzen von Antidepressiva weiter bestehen“, heißt es dort, und sie „können manchmal sogar dann anhalten, wenn Sie Finasterid nicht mehr nehmen“. Die NHS-Seite zu Isotretinoin nennt Probleme beim Sex, aber nicht, ob sie anhalten.
Was kann ich tun?
Diese Medikamente helfen vielen Menschen. Wenn Sie Nebenwirkungen haben, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie es weitergeht. Halten Sie sich an die Packungsbeilage Ihres Medikaments, und setzen Sie ein Antidepressivum nicht abrupt ab.
Sollten Männer wegen Erektionsstörungen ihre Blutdrucktabletten absetzen? In einem Film der International Society for Sexual Medicine ist die Antwort ein klares Nein.
Hat sich Ihr Sexualleben unter einem Medikament verändert oder seit dem Absetzen nicht erholt? Dann sagen Sie es Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt und nennen Sie die Zeiträume: „Finasterid 1 mg ab März 2024, letzte Tablette im Juni 2024.“
Viele sagen, es habe gedauert, bis sie ernst genommen wurden. Nehmen Sie den Satz aus der Packungsbeilage mit. Sie können es auch melden, ohne dass eine Ärztin oder ein Arzt zustimmt.
Melden Sie es: Das hilft allen
Was Ihre Ärztin oder Ihr Arzt notiert, hilft Ihnen. Eine Meldung an die Arzneimittelbehörde hilft allen anderen: So fallen Muster auf.
- Kein Beweis nötig. Ein Verdacht genügt, auch Jahre nach dem Absetzen.
- Wo: in Deutschland beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), im Vereinigten Königreich über das Yellow-Card-System, in den USA über MedWatch.
- Die richtigen Worte. Wenn die Beschwerden nach dem Absetzen angehalten haben, schreiben Sie bei einem SSRI oder SNRI Sexuelle Funktionsstoerung nach SSRI (Post-SSRI sexual dysfunction, MedDRA 10086208). Bei Finasterid schreiben Sie Syndrom nach 5-Alpha-Reductase-Inhibitor-Behandlung (Post 5-alpha-reductase inhibitor syndrome, MedDRA 10082430). Für Isotretinoin gibt es noch keinen Begriff. Schreiben Sie dann, dass die Beschwerden nach dem Absetzen angehalten haben.
Unsere Anleitung zum Melden zeigt Ihnen, wie es geht
Was wird sonst noch oft gefragt?
Betrifft das auch Frauen? Ja. Die NHS-Seite zu Antidepressiva nennt Scheidentrockenheit und Schwierigkeiten, zum Orgasmus zu kommen. Die Packungsbeilage zu Isotretinoin nennt Scheidentrockenheit und eine verminderte Empfindung im Genitalbereich. Was bekannt ist, steht in unserem Artikel über PSSD bei Frauen.
Warum steht die Antibabypille nicht auf der Liste? Der NHS sagt zweierlei. Auf seiner Seite zur Kombinationspille (auf Englisch) steht, es gebe keine Belege dafür, dass sie das sexuelle Verlangen verändert. Seine Seite über vermindertes sexuelles Verlangen (auf Englisch) nennt hormonelle Verhütung als mögliche Ursache. Sie rät, in eine Hausarztpraxis zu gehen, wenn Sie glauben, dass sich Ihre Verhütung bei Ihnen so auswirkt.
Können die Probleme dauerhaft sein? Keine der drei Packungsbeilagen verwendet dieses Wort für sexuelle Probleme. Wie viele Betroffene wieder genesen, wurde nie richtig untersucht, heißt es im Expertenpapier von 2022. Was untersucht wurde, steht in unserem Artikel über dauerhafte Erektionsstörungen durch Medikamente. Mehr lesen Sie auf unseren Seiten über PSSD, PFS und PAS.
Elliott fand seine Nebenwirkung, weil er in der Packungsbeilage weiter nach unten las. Suchen Sie auch in Ihrer nach dem Satz über das Absetzen. Wenn er auf Sie zutrifft, sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und melden Sie es.
Alle Zitate wurden aus dem Englischen übersetzt.
Quellen
- NHS, Antidepressants (auf Englisch), Seite zuletzt geprüft am 12. Juni 2025. Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören „Probleme beim Sex, etwa verminderte Libido, Schwierigkeiten, zum Orgasmus zu kommen, Scheidentrockenheit oder Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder zu halten; bei manchen Menschen können diese Probleme nach dem Absetzen von Antidepressiva weiter bestehen“.
- NHS, Side effects of olanzapine (auf Englisch), Seite zuletzt geprüft am 19. Februar 2025. „Gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie sexuelle Probleme haben, etwa eine verminderte Libido bei Männern oder Frauen oder Probleme, eine Erektion zu bekommen. Das können Anzeichen für hormonelle Veränderungen sein.“ Olanzapin ist das Antipsychotikum, das wir auf der NHS-Website geprüft haben. Auch die britische Packungsbeilage zu Risperidon (auf Englisch; EMC 101518, zuletzt überarbeitet im August 2024) nennt vermindertes sexuelles Verlangen und Erektionsstörungen.
- NHS, Beta blockers (auf Englisch), Seite zuletzt geprüft am 4. September 2026. Zu den häufigen Nebenwirkungen können „Probleme, eine Erektion zu bekommen oder zu halten“ gehören.
- NHS, Side effects of finasteride (auf Englisch), Seite zuletzt geprüft am 2. August 2023. „Probleme, eine Erektion zu bekommen, und weniger Interesse an Sex“; „Probleme beim Samenerguss, etwa wenig oder kein Sperma“. Über diese Nebenwirkungen heißt es auf der Seite, sie „können manchmal sogar dann anhalten, wenn Sie Finasterid nicht mehr nehmen“.
- NHS, Side effects of gabapentin, Seite zuletzt geprüft am 19. Februar 2026, und Side effects of pregabalin, Seite zuletzt geprüft am 20. Januar 2026 (beide auf Englisch). Beide nennen „Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen“.
- NHS, Isotretinoin: a medicine for severe acne (auf Englisch), Seite zuletzt geprüft am 26. Juni 2026. Zu den Nebenwirkungen können „Probleme beim Sex, etwa erektile Dysfunktion (Impotenz) und verminderte Libido (Libidoverlust)“ gehören. Ob diese nach dem Absetzen anhalten können, sagt die Seite nicht; vom Absetzen ist dort nur bei Verhütung und Schwangerschaft die Rede.
- Zomorph (Morphinsulfat) 10 mg Kapseln, Packungsbeilage (auf Englisch), Electronic Medicines Compendium (EMC 1420), zuletzt überarbeitet im Juni 2025. Abschnitt 2: Sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie „Libidoverlust, Impotenz oder ein Ausbleiben der Monatsblutung haben. Das kann an einer verminderten Bildung von Sexualhormonen liegen.“ Abschnitt 4: „Impotenz, vermindertes sexuelles Verlangen, Ausbleiben der Monatsblutung“. Morphin ist das einzige Opioid, dessen Packungsbeilage wir geprüft haben.
- NHS, Side effects of tamsulosin (auf Englisch), Seite zuletzt geprüft am 2. Februar 2023. „Probleme beim Samenerguss“.
- Lustral (Sertralin) 50 mg und 100 mg Filmtabletten, Packungsbeilage (auf Englisch), Electronic Medicines Compendium (EMC 2835), zuletzt überarbeitet im Dezember 2025. Abschnitt 2, „Sexual problems“: „Arzneimittel wie Lustral (sogenannte SSRI) können Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen (siehe Abschnitt 4). In bestimmten Fällen blieben diese Symptome nach Beendigung der Behandlung bestehen.“ Abschnitt 4, sehr häufig: „Schlaflosigkeit, Schwindel, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit, ausbleibender Samenerguss, Müdigkeit“. Abschnitt 4 wiederholt den Satz über das Absetzen nicht. Das englische Wort „permanent“ (dauerhaft) kommt in der Packungsbeilage nicht vor. Efexor XL (Venlafaxin) Retardkapseln, Packungsbeilage (auf Englisch; EMC 5474), zuletzt überarbeitet im Oktober 2025, Abschnitt 2, „Sexual problems“: „Arzneimittel wie Efexor XL (sogenannte SNRI) können Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen (siehe Abschnitt 4). In bestimmten Fällen blieben diese Symptome nach Beendigung der Behandlung bestehen.“
- Propecia (Finasterid) 1 mg Filmtabletten, Packungsbeilage (auf Englisch), Electronic Medicines Compendium (EMC 2194), zuletzt überarbeitet im Mai 2026. Abschnitt 4, Häufigkeit nicht bekannt: „anhaltende Schwierigkeiten, nach Beendigung der Behandlung eine Erektion zu bekommen“, „anhaltend vermindertes sexuelles Verlangen nach Beendigung der Behandlung“, „anhaltende Probleme mit dem Samenerguss nach Beendigung der Behandlung“.
- Roaccutane (Isotretinoin) 10 mg und 20 mg Weichkapseln, Packungsbeilage (auf Englisch), Electronic Medicines Compendium (EMC 100633), zuletzt überarbeitet im April 2026. Abschnitt 2: „Isotretinoin wurde mit sexuellen Problemen in Verbindung gebracht. Dazu gehören Probleme, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, verminderte Libido, Scheidentrockenheit, Orgasmusstörungen und eine verminderte Empfindung im Genitalbereich. Es gibt Meldungen über lang anhaltende sexuelle Probleme, bei denen die Symptome trotz Beendigung der Behandlung mit Isotretinoin bestehen geblieben sind.“ Abschnitt 4 führt die sexuellen Probleme unter unbekannter Häufigkeit auf und wiederholt den Satz über das Absetzen nicht.
- Avodart (Dutasterid) 0,5 mg Weichkapseln, Packungsbeilage (auf Englisch), Electronic Medicines Compendium (EMC 6758), zuletzt überarbeitet im März 2026. „nicht in der Lage, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten (Impotenz), dies kann anhalten, nachdem Sie Avodart abgesetzt haben“, mit demselben Wortlaut für das sexuelle Verlangen und den Samenerguss.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), PRAC recommendations on signals adopted at the 13-16 May 2019 meeting (auf Englisch), EMA/PRAC/265212/2019, Abschnitt 1.3, angenommen am 16. Mai 2019. Die Hersteller von sechs SSRI (Citalopram, Escitalopram, Fluvoxamin, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin) und vier SNRI (Duloxetin, Venlafaxin, Desvenlafaxin, Milnacipran) wurden aufgefordert, den Warnhinweis aufzunehmen. In der Packungsbeilage steht der Text in Abschnitt 2.
- MHRA, Isotretinoin (Roaccutane): introduction of new safety measures (auf Englisch), Drug Safety Update, 31. Oktober 2023. Nach der Überprüfung durch die Commission on Human Medicines, veröffentlicht im April 2023, wurde die Produktinformation aktualisiert, darunter „die Aufnahme neuer Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu möglichen Nebenwirkungen auf die psychische Gesundheit und die Sexualfunktion“. An welchem Datum der Satz über das Absetzen in die Packungsbeilage kam, sagt die Mitteilung nicht.
- MHRA, Finasteride: reminder of the risk psychiatric side effects and of sexual side effects (which may persist after discontinuation of treatment) (auf Englisch), Drug Safety Update, 29. April 2024. „Medizinisches Fachpersonal wird daran erinnert, Patientinnen und Patienten auf psychiatrische wie auf sexuelle Nebenwirkungen zu überwachen.“ Dort heißt es, „in allen Finasterid-Packungen wird eine Patientenkarte eingeführt“. Die Mitteilung hält fest, dass die Produktinformation anhaltende sexuelle Nebenwirkungen bereits beschrieb.
- Healy D, Bahrick A, Bak M et al. Diagnostic criteria for enduring sexual dysfunction after treatment with antidepressants, finasteride and isotretinoin (auf Englisch). Int J Risk Saf Med 2022;33(1):65-76. „Die Häufigkeit dieser Erkrankungen ist unbekannt.“ Wie viele Patientinnen und Patienten nach dem Absetzen dieser Medikamente ihre ursprüngliche sexuelle Funktion zurückgewinnen, sei „nie richtig untersucht worden“. Jeder der drei Kriterienkataloge enthält ein Problem, das 3 Monate oder länger nach dem Absetzen besteht. Ein Expertenkonsens, keine Nachbeobachtungsstudie.
- MedlinePlus, Drugs that may cause erection problems (auf Englisch), National Library of Medicine der USA, Stand der Überprüfung: 1. Januar 2025. Auf der Liste stehen Sertralin, Finasterid und Dutasterid. Isotretinoin steht nicht darauf, und die Seite erwähnt nicht, dass Probleme nach dem Absetzen eines Medikaments anhalten.
- NHS, Low sex drive (loss of libido) (auf Englisch), Seite zuletzt geprüft am 26. Mai 2026. Zu den genannten Hauptursachen gehört „hormonelle Verhütung wie Pille, Pflaster oder Implantat“. Die Seite rät, in eine Hausarztpraxis zu gehen, wenn „Sie ein Medikament nehmen oder hormonell verhüten und glauben, dass sich das auf Ihr sexuelles Verlangen auswirken könnte“. NHS, Side effects and risks of the combined pill (auf Englisch), Seite zuletzt geprüft am 15. Februar 2024: „Es gibt keine Belege dafür, dass die Pille zu einer Gewichtszunahme führt oder Ihr sexuelles Verlangen verändert.“
- BBC News, Antidepressants: Should we talk about side-effects? (auf Englisch), Bericht von Anton Ferrie, veröffentlicht am 11. August 2023 (12 Minuten 30 Sekunden), hier als Ausschnitt von 3:04 bis 6:57 eingebettet. Die Zitate stammen aus den automatischen YouTube-Untertiteln. Im Film wird vorgelesen: „Schlaflosigkeit, Schwindel, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, ausbleibender Samenerguss, Müdigkeit“ (3:24 bis 3:32). Elliott sagt, da seien „Sachen, mit denen ich gerechnet hatte, wie Kopfschmerzen“ gewesen (4:15), dann „weiter unten stand ausbleibender Samenerguss und darunter verzögerter Samenerguss“ (4:18 bis 4:21) und „Ich glaube nicht, dass ich ohne sie noch hier wäre“ (5:21). Connor: „Ich habe Sertralin vor fast 12 Monaten abgesetzt und habe immer noch ein Taubheitsgefühl im Genitalbereich“ (6:09 bis 6:18). Laut BBC ist Connor nicht sein richtiger Name. Elliotts Nachname und Heimatstadt stammen aus der schriftlichen Fassung des Berichts von BBC Mundo vom 18. August 2023 („Elliott Brown, un comediante londinense“). Im Ausschnitt nennt eine medizinische Fachkraft, deren Name nicht fällt, zwei Zahlen; wir konnten sie keiner Studie zuordnen, deshalb stehen sie nicht im Text.
- International Society for Sexual Medicine, Can blood pressure medications cause erectile dysfunction? (auf Englisch), veröffentlicht am 5. Mai 2023 (82 Sekunden), hier als Ausschnitt eingebettet, der bei 0:58 endet. Sinngemäß wiedergegeben nach den automatischen YouTube-Untertiteln bei 0:53 bis 0:57. Wer im Film spricht, wird in der Beschreibung des Films nicht genannt. Dort heißt es, der Film gebe die Meinung der sprechenden Person wieder und nicht unbedingt die der Gesellschaft.
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