Hintergrund für Redaktionen und Ärzteschaft
Nebenwirkungen von Finasterid, SSRI und Isotretinoin, die nicht wieder verschwinden. Jede Angabe hier hat eine überprüfbare Quelle.
Hintergrund
Sechs Ansatzpunkte, jeweils mit Quelle.
Worum es bei diesen Erkrankungen geht
PFS folgt auf Finasterid, PSSD auf SSRI, PAS auf Isotretinoin. Alle drei betreffen Sexualität, Denken und Stimmung, und die Beschwerden bleiben nach dem Absetzen bestehen. Betroffen ist nur ein kleiner Teil der Patientinnen und Patienten. Bei ihnen können die Beschwerden lange anhalten.
Quelle: PubMedWas die Arzneimittelbehörden anerkannt haben
2011 ließ die FDA in die Fachinformation zu Finasterid aufnehmen, dass sexuelle Nebenwirkungen bestehen bleiben können. Die EMA tat 2019 dasselbe für SSRI und SNRI. MedDRA führt beide Begriffe: „Post-SSRI sexual dysfunction“ (10086208) und „Post 5-alpha-reductase inhibitor syndrome“ (10082430). Weder Betroffene noch Ärztinnen und Ärzte verwenden diese Namen.
Quelle: EMA PRAC, Änderungshistorie der FDA-FachinformationIn der ärztlichen Ausbildung noch kein Thema
In einer Umfrage der Harvard Medical School von 2024 hielten 18 Prozent der befragten Hautärztinnen und Hautärzte anhaltende Wirkungen für möglich. Die Erkrankungen sind selten, und die medizinische Ausbildung behandelt sie bislang nicht. Am meisten hilft hier bessere Information.
Quelle: Harvard Medical School, 2024Was die Biologie nahelegt
In einer begutachteten Studie arbeiteten bei PFS-Betroffenen 3.764 Gene anders. Auch in Tierstudien zeigten sich deutliche Veränderungen im Gehirn. Mit einem Erwartungseffekt allein lässt sich das kaum erklären.
Quelle: Journal of Sexual Medicine, 2021Was bisher gemeldet wurde
In VigiBase, der Datenbank der WHO, liegen 21.287 Meldungen über Nebenwirkungen von Finasterid aus 153 Ländern, im FDA-System FAERS sind es 11.557. Eine Meldung ist kein Beweis dafür, dass das Medikament die Ursache war. Die Zahlen zeigen, wie viel gemeldet wird.
Quelle: WHO VigiBase, FDA FAERSWarum die Zahlen zu niedrig sein dürften
Eine Nebenwirkung zu melden, ist freiwillig. Die FDA schätzt, dass nur 1-10 Prozent aller Reaktionen überhaupt gemeldet werden. Wie viele Menschen diese Erkrankungen betreffen, weiß bisher niemand.
Quelle: Leitlinie der FDA zur PharmakovigilanzWichtige Datenbanken und Quellen
FDA FAERS Dashboard
Meldungen zu Nebenwirkungen von Finasterid, SSRI und Isotretinoin durchsuchen.
Zum Dashboard →PubMed: Forschung zu PFS
Begutachtete Arbeiten zum Post-Finasterid-Syndrom.
Auf PubMed suchen →BMJ: die Neuauswertung von Study 329
Ein unabhängiger zweiter Blick auf die Studiendaten zu Paroxetin, im Rahmen der RIAT-Initiative.
Zur Analyse →WHO VigiBase
Die weltweite Datenbank für Einzelfallmeldungen zur Arzneimittelsicherheit.
Zur Datenbank →Fachkontakte
Forschende und Engagierte, die für ein Interview zur Verfügung stehen.
Prof. Roberto Melcangi
Universität Mailand. Führend in der Forschung zu PFS. Arbeitet zu Hormonen im Gehirn, zur Genregulation und zur Verbindung von Darm und Gehirn.
Dr. David Healy
RxISK.org. Psychiater und Experte für Arzneimittelsicherheit. Arbeitet daran, wie PSSD definiert und diagnostiziert wird.
PFS Foundation
Die führende Patientenorganisation zu PFS. Stellt auf Wunsch den Kontakt zu Betroffenen her, die sich namentlich äußern.
Presseanfragen
Schreiben Sie an media@sidefxhub.com für Interviews, Daten oder den Kontakt zu Betroffenen und Forschenden.
SIDEfxHUB unterstützt Menschen, deren Nebenwirkungen nach dem Absetzen geblieben sind. Eingetragene gemeinnützige Organisation im Vereinigten Königreich, Nr. 1203385.