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Nebenwirkungen melden: Warum es so wichtig ist

Wer eine Nebenwirkung meldet, nimmt die Pharmaindustrie in die Pflicht und schützt andere. Wie die Meldung geht und was danach passiert.

Von Morten SkovVeröffentlicht Aktualisiert
Nebenwirkungen melden: Warum es so wichtig ist

Wussten Sie schon?

Nur wenige wissen, dass sie Nebenwirkungen eines Medikaments selbst bei der zuständigen Behörde melden dürfen. Und zwar nicht nur die eigenen: Sie können auch für Ihr Kind melden oder für eine Person, die Sie betreuen. Jede Meldung macht die Medikamente im Handel ein Stück sicherer und schützt andere besser.

Haben Sie eine Nebenwirkung im Verdacht, sprechen Sie zuerst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in der Apotheke. Das gilt erst recht, wenn die Nebenwirkung heftig oder ungewöhnlich ist.

Warum das Melden wirkt

Wer meldet, nimmt die Pharmaindustrie in die Pflicht. Vor der Zulassung wird jedes Medikament gründlich geprüft. Doch die Daten aus klinischen Studien haben Lücken. Wie ein Mittel wirklich wirkt, zeigt sich oft erst im breiten Einsatz. Dann nehmen es Menschen jeden Alters, mit ganz unterschiedlicher Vorgeschichte und mit Begleiterkrankungen.

Die Pharmaindustrie hat viel Geld und entsprechend viel Einfluss. Manche Unternehmen verdienen an einem einzigen Medikament Milliarden. Umso wachsamer müssen Betroffene und Fachleute sein. Konsequente Meldungen setzen diesem Einfluss etwas entgegen und zwingen die Hersteller, an der Sicherheit ihrer Produkte zu arbeiten. Ohne Meldungen können sie sich der Verantwortung für Schäden entziehen, die leider viel zu viele Menschen erleben.

Eine Meldung ist keine Formsache. Sie ist ein Hebel gegenüber einer Industrie, von deren Produkten Millionen Menschen abhängen. Jede einzelne stärkt die Überwachung und macht klar: Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten geht vor Gewinn.

Das Ausmaß des Problems

Nebenwirkungen sind häufiger, als viele annehmen. Weltweiten Gesundheitsdaten zufolge gehören Schäden durch Medikamente zu den häufigsten Ursachen für Verletzungen und vermeidbare Krankenhausaufenthalte. Ohne Meldungen von Betroffenen bliebe vieles davon unentdeckt. Denn nicht jede Nebenwirkung fällt sofort auf, und längst nicht jede ist erklärt. Fachleute für Arzneimittelsicherheit lesen aus den Meldungen Muster heraus, sogenannte „Sicherheitssignale“. Daraus können neue Sicherheitsauflagen folgen - oder ein Medikament wird vom Markt genommen.

Wie Sie eine Nebenwirkung melden

Vermuten Sie, dass ein Medikament eine Nebenwirkung ausgelöst hat, gibt es mehrere Wege. Die meisten Packungsbeilagen erklären, wie und wo Sie melden. Meist geht das über ein Online-Formular, über Ihre Arztpraxis oder über die Apotheke.

Für eine Meldung sind diese Angaben hilfreich:

  • Angaben zur betroffenen Person (Alter, Geschlecht usw.)
  • Beschreibung der Nebenwirkung
  • Name und Dosis des verdächtigen Medikaments
  • Chargennummer (steht auf der Verpackung)
  • Andere Mittel, die Sie zur selben Zeit genommen haben, auch rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
  • Wichtige Vorerkrankungen der betroffenen Person

Staatliche Meldesysteme nehmen Meldungen direkt von Patientinnen und Patienten an, etwa MedWatch der FDA in den USA oder die MHRA in Großbritannien. In aller Regel hat jedes Land eine eigene Arzneimittelbehörde, bei der Sie online melden können. In Deutschland ist das BfArM zuständig. Links zu vielen staatlichen Gesundheitsbehörden finden Sie in der Liste der nationalen Pharmakovigilanzzentren der WHO (auf Englisch).

Häufige Fragen

Woran erkenne ich eine Nebenwirkung?

Eine Nebenwirkung - fachlich: unerwünschte Arzneimittelwirkung - ist ein Symptom, das ein Medikament ungewollt auslöst. Melden Sie auch dann, wenn Sie unsicher sind. Die Behörden prüfen den Verdacht und ordnen ihn ein.

Was passiert nach meiner Meldung?

Fachleute für Arzneimittelsicherheit werten Ihre Angaben aus und suchen darin nach neuen „Sicherheitssignalen“. Bestätigt sich ein Problem, passen die Behörden ihre Empfehlungen an oder geben Warnungen heraus. Zum Schutz der Bevölkerung können sie die Anwendung eines Medikaments auch aussetzen.

Kann meine Ärztin oder mein Arzt mir bei der Meldung helfen?

Ja. Ärztinnen und Ärzte haben Übung mit solchen Meldungen, und ihre fachliche Einschätzung hilft beim Einordnen. Wenn Sie nicht wissen, wie eine Meldung abläuft, oder sie nicht selbst einreichen möchten, übernimmt die Praxis das für Sie.

Symbole und Sicherheitssignale verstehen

Auf manchen Packungen steht ein kleines schwarzes Dreieck (▼). Es bedeutet, dass das Medikament besonders genau überwacht wird - nicht, dass es unsicher ist. Bei diesen Mitteln ist jede Meldung besonders wertvoll, weil die Langzeitsicherheit noch beobachtet wird.

Nehmen Sie die Industrie in die Pflicht - für sicherere Medikamente

Melden schützt nicht nur Sie selbst. Es nimmt die Pharmaindustrie für das in die Pflicht, was sie in Umlauf bringt. Jede Meldung erweitert die Datengrundlage. Darauf bauen strengere Vorschriften, bessere Warnhinweise und, wo nötig, rechtliche Schritte auf. Mit Ihrer Meldung setzen Sie sich für sich selbst und für andere ein. Und Sie sorgen dafür, dass Sicherheit ernst genommen wird.

Wenn Sie sich wegen einer Reaktion Sorgen machen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in der Apotheke. Aus fachlichem Rat und Ihrer Meldung zusammen entsteht weltweit mehr Arzneimittelsicherheit.

Was hier steht, ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Entscheidungen über Ihre Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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