Ist Finasterid sicher? Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen
Ist Finasterid sicher? Nebenwirkungen, Risiken und Nutzen im Überblick, dazu das Post-Finasterid-Syndrom - damit Sie informiert entscheiden können.

Was Finasterid ist
Finasterid wird unter Markennamen wie Propecia und Proscar verkauft. Es wird häufig verschrieben gegen erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) und gutartige Prostatavergrößerung. Bei vielen wirkt es. Doch es wird auch mit einer Reihe von Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, und manche davon verschwinden nach dem Absetzen womöglich nicht. Dieser Artikel ordnet ein, was über die Sicherheit von Finasterid bekannt ist. So können Sie informiert entscheiden.
Wie Finasterid wirkt
Finasterid ist ein 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Es blockiert die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT). DHT treibt Haarausfall und Prostatawachstum an. Ein niedrigerer DHT-Spiegel kann deshalb bei beidem helfen. Doch der veränderte Hormonspiegel kann auch andere Systeme im Körper treffen. Daraus können Nebenwirkungen entstehen.
Häufige Nebenwirkungen von Finasterid
Wie jedes Medikament kann auch Finasterid Nebenwirkungen haben. Am häufigsten sind:
- Sexuelle Funktionsstörungen: Viele berichten von verminderter Libido, Erektionsstörungen und weniger Ejakulat. Oft verschwinden diese Beschwerden nach dem Absetzen. Bei manchen bleiben sie.
- Veränderungen der Brust: Spannen, Vergrößerung oder Gynäkomastie, also Wachstum von Brustgewebe. Das kommt eher selten vor.
- Hodenschmerzen: Selten berichten Männer während der Einnahme über Beschwerden im Hodenbereich.
Ernste Risiken: Depression, Suizidalität und Angst
Zu den größten Sorgen zählt die mögliche Wirkung auf die Psyche. Manche berichten von Depressionen, Angstzuständen und sogar Suizidgedanken. Häufig ist das nicht. Den Arzneimittelbehörden hat es trotzdem gereicht, um zu warnen:
- Die britische Arzneimittelbehörde Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) warnte vor anhaltenden psychiatrischen und sexuellen Nebenwirkungen von Finasterid, mögliche Suizidgedanken eingeschlossen.
- Die französische Arzneimittelbehörde ANSM (Agence nationale de sécurité du médicament) rät, Finasterid abzusetzen, sobald psychiatrische Symptome auftreten.
Achten Sie also während der Einnahme auf Ihre psychische Verfassung, und holen Sie sich bei Symptomen rasch Hilfe. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Propecia, Depression und Suizid.
Anhaltende Nebenwirkungen: Das Post-Finasterid-Syndrom (PFS)
Manche berichten auch nach dem Absetzen von Finasterid noch über Beschwerden. Dafür hat sich der Begriff Post-Finasterid-Syndrom (PFS) eingebürgert. Dazu zählen anhaltende sexuelle Funktionsstörungen, Stimmungsstörungen und kognitive Beschwerden. Woran das genau liegt, ist ungeklärt. Auch darüber, wie häufig PFS ist und wie man es behandelt, ist sich die Fachwelt uneins.
Wollen Sie das Risiko eingehen, PFS zu entwickeln? Dann stehen Sie allein da.
Wer PFS entwickelt, hat kaum Behandlungsmöglichkeiten. Die Erkrankung ist schwer in den Griff zu bekommen. Für viele gibt es keinen klaren Weg zur Linderung. Vor ihnen liegt ein schwerer Weg im Umgang mit anhaltenden Symptomen.
Wissenschaftliche Studien zur Sicherheit von Finasterid
Mehrere Studien haben untersucht, wie sicher Finasterid ist, vor allem mit Blick auf psychische und sexuelle Nebenwirkungen:
- Melcangi et al. (2013) (auf Englisch): Bei Menschen, die Finasterid genommen hatten, waren die neuroaktiven Steroide in Nervenwasser und Blutplasma verändert. Das könnte erklären, warum Symptome wie Depression und Angst anhalten.
- Irwig, MS (2012) (auf Englisch): Die Studie bringt Finasterid mit depressiven Symptomen und Suizidgedanken in Verbindung - auch nach dem Absetzen.
- Rahimi-Ardabili et al. (2006) (auf Englisch): Diese prospektive Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Finasterid und depressiven Symptomen. Sie mahnt zur Vorsicht beim Verschreiben.
Fragen, die Sie sich vorher stellen sollten
Bevor Sie mit Finasterid beginnen, sollten Sie drei Fragen klären:
- Wissen wir, ob Finasterid langfristig sicher ist? Viele vertragen das Mittel ohne schwere Nebenwirkungen. Die Langzeitsicherheit gibt trotzdem Anlass zur Sorge, denn es gibt Berichte über anhaltende Nebenwirkungen.
- Können wir Pharmaunternehmen vertrauen? Sie müssen Risiken offenlegen. Manche Betroffene haben dennoch den Eindruck, dass ein Risiko wie PFS nicht ernst genug behandelt wurde. Ohne Transparenz und vollständige Daten lässt sich nicht informiert entscheiden.
- Können wir Telemedizin-Anbietern und Online-Apotheken vertrauen? Ein Rezept online zu bekommen, ist bequem. Doch wer untersucht vorher, und wer achtet danach auf Symptome? Bei einem Mittel mit bekannten Risiken wie Finasterid gehört beides dazu.
Was die Arzneimittelbehörden unternommen haben
Die Hinweise auf Nebenwirkungen nehmen zu. Die Arzneimittelbehörden haben darauf reagiert:
- Warnhinweise: Die Packungsbeilage von Finasterid nennt inzwischen mögliche psychiatrische und sexuelle Nebenwirkungen.
- Patientenkarten: In manchen Ländern bekommen Patientinnen und Patienten eine Karte, auf der die Risiken von Finasterid stehen.
- Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte: Behörden wie die MHRA raten, vor dem Verschreiben nach psychischen Vorerkrankungen zu fragen. Während der Einnahme soll genau auf Symptome geachtet werden.
Risiken und Nutzen von Finasterid abwägen
Trotz dieser Risiken hilft Finasterid vielen Menschen, gerade bei starkem Haarausfall oder Prostatabeschwerden. Für die einen wiegt der Nutzen womöglich schwerer. Andere wählen lieber eine andere Behandlung. Besprechen Sie diese Abwägung offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Am Ende zählt, was Ihnen für Ihre Gesundheit wichtig ist.
Alternativen zu Finasterid
Wenn Ihnen die Risiken von Finasterid zu hoch sind, gibt es bei Haarausfall wie bei Prostatavergrößerung andere Möglichkeiten:
- Minoxidil: wird äußerlich aufgetragen, ist rezeptfrei und greift nicht in den Hormonhaushalt ein.
- Haartransplantation: hält dauerhaft, ist aber ein Eingriff und teuer.
- Pflanzliche Mittel: Der Sägepalme etwa wird eine Wirkung auf den Haarwuchs nachgesagt. Belegt ist das kaum.
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, was für Sie infrage kommt.
Fazit: Ist Finasterid sicher?
Finasterid ist ein starkes und wirksames Mittel gegen Haarausfall und Prostatavergrößerung. Doch seine Risiken wollen sorgfältig abgewogen sein. Für die einen rechtfertigt der Nutzen die Risiken. Anderen ist die Gefahr anhaltender Nebenwirkungen zu groß. Wenn Sie das Mittel erwägen, gehen Sie Nutzen und Risiken ausführlich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt durch. Achten Sie danach auf jedes Symptom. Es geht um Ihre Gesundheit - treffen Sie die Entscheidung mit offenen Augen.
Was hier steht, ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Entscheidungen über Ihre Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
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- Melden Sie danach Ihre Nebenwirkungen Ihrer Arzneimittelbehörde