Finasterid (Propecia) und Angststörungen
Finasterid (Propecia) kann Angst und weitere psychische Beschwerden auslösen. Was Studien und die Warnhinweise der Behörden dazu sagen.

Einleitung
Finasterid (Propecia) wird Männern häufig gegen erblich bedingten Haarausfall verschrieben. Der Wirkstoff hemmt die 5-Alpha-Reduktase und senkt so den Spiegel von Dihydrotestosteron (DHT). Gegen Haarausfall kann das Mittel wirken. Was es mit der Psyche macht, wird dagegen oft heruntergespielt - auch Angststörungen. Viele, die Finasterid nehmen, berichten von zunehmender Angst und anderen seelischen Veränderungen. Werden diese Nebenwirkungen ernst genug genommen?
Dieser Artikel erklärt, wie Finasterid und Angst zusammenhängen, was Studien zeigen und warum diese Risiken vor Behandlungsbeginn auf den Tisch gehören.
Wie Finasterid zu Angststörungen beitragen kann
Wer DHT blockiert, greift nicht nur ins Haarwachstum ein. Betroffen ist auch die Bildung von Neurosteroiden im Gehirn. Diese Botenstoffe steuern Stimmung und Stressreaktionen mit. Gerät ihr Gleichgewicht ins Wanken, können Angst und Depression folgen. Bei manchen Menschen halten die Beschwerden auch nach dem Absetzen an. Dieses Krankheitsbild heißt Post-Finasterid-Syndrom (PFS).
Berichte über Angst unter Finasterid häufen sich. Umso dringender stellt sich die Frage, was das Medikament in der Psyche insgesamt bewirkt. Als wesentlicher Grund gilt der Eingriff in den Neurosteroid-Haushalt und damit in die Stimmungsregulation.
Häufig berichtete psychische Nebenwirkungen
Meist ist von sexuellen Funktionsstörungen und körperlichen Beschwerden die Rede. Doch Angst und andere psychische Nebenwirkungen rücken immer stärker in den Blick. Häufig geschildert werden:
- Angst: von leichter Angst bis zu schweren Angstattacken. Viele, die Finasterid nehmen, fühlen sich ständig angespannt.
- Depression: Angst und depressive Symptome treten oft gemeinsam auf und drücken das seelische Befinden insgesamt.
- Kognitive Beschwerden: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen zehren an den Nerven und schüren die Angst zusätzlich.
Wie häufig ist Angst bei Finasterid-Einnahme?
Genaue Häufigkeitsangaben schwanken. Doch die Forschung deutet darauf hin, dass Angst und andere seelische Folgen unter Finasterid häufiger auftreten als ursprünglich angenommen. Studien zufolge kann das Medikament die Hirnchemie so verändern, dass die Anfälligkeit für Angststörungen steigt.
Wichtige Studien zu Finasterid, Angst und psychischer Gesundheit
Mehrere Arbeiten zeigen, wie Finasterid auf die Psyche wirkt, und geben Hinweise darauf, warum Angst entstehen kann. Die wichtigsten:
- Diviccaro et al. (2019) (auf Englisch): Bei männlichen Ratten löste Finasterid angstähnliches Verhalten und Entzündungsreaktionen im Gehirn (Neuroinflammation) aus. Die Wirkung auf das Gehirn könnte also zu anhaltenden Angstsymptomen beitragen.
- Melcangi et al. (2013) (auf Englisch): Bei Betroffenen mit Post-Finasterid-Beschwerden, Angst und Depression waren die Werte neuroaktiver Steroide verändert. Das könnte ein Bindeglied zwischen Finasterid und Stimmungsstörungen sein. Die Studie erschien im Journal of Sexual Medicine.
- Garcia-Argibay et al. (2022) (auf Englisch): In dieser Kohortenstudie (JAMA Network Open) gingen 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid mit einem höheren Risiko für Depression, Angst und Suizidgedanken einher. Die Forschenden fordern weitere Untersuchungen zu diesen schwerwiegenden psychischen Nebenwirkungen.
Behördliche Warnungen aus Großbritannien und Frankreich
Auch Arzneimittelbehörden haben die psychischen Risiken erkannt. In Großbritannien warnt die Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) vor anhaltenden psychiatrischen und sexuellen Nebenwirkungen. Dafür hat sie eine Patientenwarnkarte eingeführt. Darauf steht, dass „Finasterid mit Depression, Suizidgedanken und sexuellen Funktionsstörungen in Verbindung gebracht wird“. Und dass manche Symptome nach dem Absetzen bleiben.
Die französische Arzneimittelbehörde ANSM warnte im Oktober 2023: Wer Stimmungsveränderungen bemerkt, vor allem Depression oder Suizidgedanken, soll Finasterid absetzen. Diese Gefahren müssten vollständig bekannt sein, mahnte die Behörde, denn manche Symptome können über die Behandlung hinaus bestehen bleiben. Öffentliche Gesundheitskampagnen in Frankreich greifen das auf. Sie wenden sich an Ärztinnen und Ärzte, die das Mittel verschreiben, und an Betroffene.
Propecia, Depression und Suizid: ein ernstes Problem
Weltweit haben Gesundheitsbehörden auf die psychischen Risiken von Finasterid reagiert. MHRA und ANSM mahnen, seelische Symptome genau im Auge zu behalten. Mehr dazu lesen Sie in Propecia, Depression und Suizid: ein Blick auf die Risiken.
Anhaltende Angst und das Post-Finasterid-Syndrom (PFS)
Manchmal bleiben Angst und andere Beschwerden noch lange nach dem Absetzen. Zu diesem Krankheitsbild, dem Post-Finasterid-Syndrom (PFS), gehören anhaltende Angst, Depression und kognitive Beschwerden. Sie schränken die Lebensqualität stark ein. PFS ist längst nicht ausgeforscht. Patientenorganisationen und ein Teil der Fachwelt sehen darin aber ein mögliches Risiko der Einnahme.
Wenn Sie nach dem Absetzen unter anhaltender Angst leiden, holen Sie sich Unterstützung. Lassen Sie sich ärztlich zu Behandlungsmöglichkeiten beraten, möglichst von Fachleuten, die PFS kennen.
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Melden Sie jede Nebenwirkung, die bei Ihnen auftritt - in Deutschland beim BfArM. Gerade seelische Symptome werden selten gemeldet. Jede Meldung schärft das Bild, das Ärzteschaft und Forschung von den psychischen Folgen haben. Wie das geht, erklärt unsere Anleitung Nebenwirkungen melden.
Fazit
Wer eine Behandlung gegen Haarausfall erwägt, sollte den möglichen Zusammenhang zwischen Finasterid (Propecia) und Angst kennen. Finasterid kann das Ausdünnen der Haare bremsen. Für manche Menschen können die seelischen Risiken jedoch schwerer wiegen als dieser Nutzen - Angst, Depression, Suizidgedanken. Sprechen Sie deshalb vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über diese Nebenwirkungen. Nur so können Sie informiert entscheiden und Ihre psychische Gesundheit schützen.
Was hier steht, ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Entscheidungen über Ihre Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
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