Finasterid und Suizidgedanken: die Warnungen
MHRA und ANSM warnen vor Depression und Suizidgedanken unter Finasterid (Propecia). Was in den Warnungen steht und was Merck dazu sagt.

Propecia, Depression und Suizid: Wovor die Behörden warnen
Kann eine Tablette, die das Selbstvertrauen stärken soll, der Psyche schaden? Finasterid (Propecia) wird häufig gegen erblich bedingten Haarausfall bei Männern verschrieben (androgenetische Alopezie). Es soll den Haarausfall stoppen. Neuere Erkenntnisse deuten aber auf schwere seelische Folgen hin, über die sich nicht hinwegsehen lässt.
Warnungen der britischen und französischen Arzneimittelbehörden
Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat vor anhaltenden psychiatrischen und sexuellen Nebenwirkungen von Finasterid gewarnt. Eine Warnkarte soll alle informieren, die das Mittel nehmen oder verschreiben. Die Behörde hielt fest, dass „Finasterid mit Depression, Suizidgedanken und sexuellen Funktionsstörungen in Verbindung gebracht wurde“. Und weiter: „Patienten haben berichtet, dass die sexuelle Funktionsstörung … auch nach Beendigung der Behandlung bestehen blieb“ [3] (auf Englisch)[4] (auf Englisch).
Auch Frankreich nimmt das ernst. Am 26. Oktober 2023 warnte die französische Arzneimittelbehörde ANSM, „Stimmungsveränderungen, insbesondere Depression, sowie Suizidgedanken“ seien „von Patienten unter Propecia berichtet“ worden. Treten psychiatrische Symptome auf, soll Finasterid abgesetzt werden. Die Behörde wies auch auf sexuelle Störungen hin, die nach dem Ende der Behandlung anhalten können. Dr. Caroline Semaille, Leiterin der Dermatologie bei der ANSM, startete eine öffentliche Aufklärungskampagne, die auf diese möglichen Gefahren hinweist. Das Ziel: Betroffene sollen die Risiken vollständig kennen [6] (auf Englisch).
Kontroverse um Merck
Dazu kommt ein Vorwurf gegen den Hersteller: Merck habe die Risiken des Medikaments nicht offen benannt. Berichten zufolge kannte das Unternehmen die möglichen schweren Nebenwirkungen, legte sie aber nicht ausreichend offen. Laut Reuters haben „Tausende Männer, die Propecia eingenommen haben …, von anhaltenden sexuellen Funktionsstörungen und Suizidgedanken berichtet“. Diese seien „ihrer Ansicht nach von Merck nicht ordnungsgemäß offengelegt“ worden [5] (auf Englisch).
Risiken und Nutzen abwägen
Eine Frage drängt sich auf: Übersehen wir die Gefahren von Finasterid, weil wir volles Haar wollen? Die US-Arzneimittelbehörde FDA rät der Ärzteschaft inzwischen, vor dem Verschreiben nach psychischen Problemen zu fragen. Danach soll engmaschig auf neue seelische Symptome geachtet werden. Das Fachpersonal soll Patientinnen und Patienten raten, Finasterid bei Depression oder Suizidgedanken „sofort abzusetzen“. Zudem sollen sich die Betroffenen „umgehend“ an ihre Ärztin oder ihren Arzt wenden [2] (auf Englisch).
Fazit
Die Konsequenz liegt auf der Hand: Es braucht mehr Forschung. Sie muss klären, warum diese seelischen Folgen auftreten und wie sie sich verhindern lassen. Bis dahin heißt es aufmerksam bleiben und genau hinsehen. Der Wunsch nach vollem Haar darf nicht die psychische Gesundheit kosten. Aussehen und seelisches Wohlbefinden müssen sich die Waage halten. Das gelingt, wenn informiert entschieden wird und Betroffene mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt im Gespräch bleiben.
Quellen
- Haidar Al Saffar, Jennifer Xu, Jonathan S. O’Brien, Brian D. Kelly, Declan G. Murphy, Nathan Lawrentschuk. US Food and Drug Administration Warning Regarding Finasteride and Suicidal Ideation: What Should Urologists Know? (auf Englisch)
- FDA Adds Suicidal Thoughts to Finasteride Side Effects (auf Englisch)
- Finasteride: review of safety data and expert advice on management of risks - GOV.UK (auf Englisch)
- Finasteride: reminder of the risk psychiatric side effects and of sexual side effects (which may persist after discontinuation of treatment) - GOV.UK (auf Englisch)
- Merck’s Lack of Transparency About Finasteride Risks (auf Englisch)
- PFS Foundation: ANSM Warning of Propecia-Induced Depression and Suicidal Ideation Prompts Media Attention (auf Englisch)
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