Die Entstehungsgeschichte von Propecia (Finasterid)
Wie Finasterid aus einer Beobachtung in der Dominikanischen Republik entstand - und wie Propecia zum Mittel gegen Haarausfall wurde.

Propecia (Wirkstoff: Finasterid) kennt man als Mittel gegen erblich bedingten Haarausfall bei Männern und gegen die gutartige Prostatavergrößerung (BPH). Seine Entstehungsgeschichte ist allerdings recht umstritten. Die Geschichte beginnt in den 1970er-Jahren mit einer überraschenden Entdeckung in der Dominikanischen Republik.
Entdeckung in der Dominikanischen Republik
In einem kleinen dominikanischen Dorf traf die Ärztin Dr. Julianne Imperato-McGinley auf Kinder, die man im Ort „Guevedoces“ nannte. Bei ihnen verhinderte eine seltene Erkrankung, dass Testosteron in die stärkere Form Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt wurde. Deshalb kamen sie äußerlich als Mädchen zur Welt, mit uneindeutigen Genitalien. In der Pubertät stieg der Testosteronspiegel stark an, und es kam zu tiefgreifenden Veränderungen: tiefere Stimme, mehr Muskeln, männliche Genitalien. Und noch etwas fiel auf: Ohne DHT gab es weder Haarausfall noch eine vergrößerte Prostata. Genau das weckte das Interesse der Wissenschaft - und führte am Ende zu Propecia.
Die Entwicklung von Finasterid
Beim Pharmaunternehmen Merck erkannte man das Potenzial. Die Idee: Senkt man den DHT-Spiegel so, wie er bei den Guevedoces von Natur aus niedrig ist, lassen sich vielleicht Prostatavergrößerung und Haarausfall behandeln. Daraus wurde Finasterid. Der Wirkstoff hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase und senkt so den DHT-Spiegel im Körper. Im Jahr 1992 kam Proscar gegen die vergrößerte Prostata auf den Markt, 1997 folgte Propecia gegen Haarausfall.
Für die Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung und des erblich bedingten Haarausfalls war das ein großer Schritt. Es bot eine neue Möglichkeit, diese Erkrankungen ohne Eingriff zu behandeln. Den ganzen Weg von der Entdeckung bis zum fertigen Medikament beschreibt der Originalartikel (auf Englisch).
Mögliche Nebenwirkungen und PFS-Risiko
Propecia wirkt gegen Haarausfall, kann aber Nebenwirkungen haben. Bei manchen lässt die Libido nach, es kommt zu Erektionsstörungen, das Ejakulatvolumen sinkt. Manchmal bleiben diese Beschwerden auch nach dem Absetzen. Dann spricht man vom Post-Finasterid-Syndrom (PFS). Dazu können körperliche, neurologische und seelische Symptome gehören, unter anderem Depression, Angst und kognitive Beschwerden. Eine ausführliche Liste finden Sie unter Post-Finasterid-Syndrom: häufige Symptome.
Die anhaltende Debatte
Propecia wird bis heute breit verschrieben. Und bis heute stehen Sicherheit und Langzeitfolgen auf dem Prüfstand. Wenn Sie es nehmen oder darüber nachdenken, sprechen Sie die Risiken mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. Es geht dabei um mehr als um Haarausfall. Betroffen sein können auch die männliche Fruchtbarkeit und die psychische Gesundheit. Mehr dazu in Propecia und männliche Unfruchtbarkeit und Propecia, Depression und Suizid.
Mehr über Propecia und verwandte Erkrankungen wie PFS und die sexuelle Funktionsstörung nach SSRI-Einnahme (PSSD) lesen Sie in unseren Artikeln.
Wie Propecia entstand und was es bewirkt, beschreibt der Originalartikel zur Entdeckung (auf Englisch).
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