Finasterid (Propecia) und Depression
Finasterid und Depression: was die MHRA über psychische Nebenwirkungen und Suizidgedanken sagt - und welche Fragen Sie vorher stellen sollten.

Finasterid (Propecia) und Depression: was die Sicherheitsbewertungen zeigen
Einleitung: warum die Risiken von Finasterid mehr Beachtung finden
Finasterid wird meist unter den Markennamen Propecia und Proscar verschrieben. Seit Langem setzt man es gegen Haarausfall und gutartige Prostatavergrößerung ein. Doch seine psychiatrischen Nebenwirkungen beunruhigen Arzneimittelbehörden und Ärzteschaft zunehmend, allen voran Depression und Suizidalität. Der MHRA-Sicherheitsbericht vom April 2024 (auf Englisch) sollte diese Risiken bewerten. Er zeigte, wie schwer manche Nebenwirkungen ausfallen. Vielen Betroffenen, Ärztinnen und Ärzten war das so womöglich nicht bewusst.
Wie Finasterid die psychische Gesundheit beeinflussen kann
Finasterid ist ein 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Es blockiert die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT), ein Hormon, das an Haarausfall und Prostatawachstum beteiligt ist. Das hilft bei Haarausfall und Prostatavergrößerung. Zugleich greift es aber in den Haushalt der Neurosteroide ein, die für Hirnfunktion und Stimmung wichtig sind. Laut MHRA kann diese hormonelle Verschiebung zu Stimmungsstörungen führen. Dazu gehören Depression, Angst und in manchen Fällen Suizidgedanken.
Ergebnisse des MHRA-Sicherheitsberichts
Für den Bericht vom April 2024 wertete die britische Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) Daten aus klinischen Studien, Erfahrungsberichten und Pharmakovigilanz-Datenbanken aus. Die zentralen Ergebnisse:
- Psychiatrische Risiken: Der Bericht zeigt einen Zusammenhang zwischen Finasterid und einem erhöhten Risiko für Depression und Suizidgedanken. Aus Sicht der MHRA wiegen diese Nebenwirkungen schwer genug für eine neue Patientenhinweiskarte.
- Anhaltende Nebenwirkungen: Manche Betroffene berichteten, dass Beschwerden auch nach dem Absetzen blieben, vor allem an der Sexualfunktion und an der Psyche.
- Mangelndes Bewusstsein: Laut MHRA kennen Ärzteschaft und Betroffene diese Risiken offenbar zu wenig. Sie mahnte an, besser über die möglichen Nebenwirkungen von Finasterid aufzuklären.
Reaktionen internationaler Arzneimittelbehörden
Mit dieser Sorge steht das Vereinigte Königreich nicht allein. Auch Behörden in Frankreich und Kanada haben gewarnt. Die französische Arzneimittelbehörde (ANSM) empfahl, Finasterid abzusetzen, sobald psychiatrische Symptome auftreten. Sie wies darauf hin, dass manche Beschwerden auch danach bleiben können. Health Canada hat die Fachinformationen um Warnhinweise zu Suizidgedanken ergänzt, und die FDA hat Ähnliches getan.
Zentrale Studien zu Finasterid und Depression
Wie Finasterid auf die Psyche wirkt, ist vielfach untersucht worden. Mehrere Studien stützen den Zusammenhang zwischen dem Medikament und depressiven Symptomen:
- Melcangi et al. (2013) (auf Englisch): Die Studie maß neuroaktive Steroide in Nervenwasser und Blutplasma von Männern mit PFS. Sie zeigte anhaltende sexuelle Nebenwirkungen und ängstlich-depressive Symptome.
- Irwig, MS (2012) (auf Englisch): Männer, die Finasterid genommen hatten und weiter an sexuellen Nebenwirkungen litten, hatten anhaltende depressive Symptome und Suizidgedanken. Das deutet auf mögliche langfristige psychische Risiken hin.
- Rahimi-Ardabili et al. (2006) (auf Englisch): Diese prospektive Studie begleitete Männer, die das Mittel gegen Haarausfall nahmen. Dabei zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Einnahme und depressiven Symptomen.
Anhaltende Nebenwirkungen und Post-Finasterid-Syndrom (PFS)
In den MHRA-Bericht flossen auch Schilderungen von Menschen mit Post-Finasterid-Syndrom (PFS) ein. Zu PFS gehören anhaltende Nebenwirkungen wie sexuelle Funktionsstörungen, Depression und kognitive Beschwerden. Sie können auf unbestimmte Zeit anhalten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Trotzdem gilt PFS im Vereinigten Königreich bislang nicht als offizielle medizinische Diagnose.
Was die MHRA für Behandlung und Aufklärung empfiehlt
Die MHRA empfiehlt, vor dem Verschreiben von Finasterid nach psychischen Vorerkrankungen zu fragen. Patientinnen und Patienten sollen umfassend über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt werden. Die neuen Leitlinien raten außerdem:
- Vorab einen Fragebogen ausfüllen lassen, der ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen erkennt.
- Regelmäßig darauf achten, ob psychiatrische oder sexuelle Nebenwirkungen neu auftreten.
- Der Packung eine Patientenhinweiskarte beilegen. Sie nennt Risiken wie Depression, Suizidgedanken und anhaltende sexuelle Funktionsstörungen.
Nebenwirkungen melden
Wegen dieser Risiken ruft die MHRA Betroffene wie Ärzteschaft auf, jede Nebenwirkung zu melden. Solche Meldungen helfen den Arzneimittelbehörden zu verstehen, welche Folgen Finasterid tatsächlich hat. Wie das geht, erklärt unsere Anleitung zum Melden.
Sie erwägen Finasterid? Diese Fragen gehören ins Gespräch
Wenn Sie Finasterid gegen Haarausfall oder Prostatavergrößerung erwägen, sprechen Sie die möglichen Nebenwirkungen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. Zum Beispiel so:
- Was bringt mir Finasterid, und was riskiere ich damit?
- Welche anderen Behandlungen kommen bei Haarausfall oder Prostatavergrößerung infrage?
- Wie wird während der Einnahme auf Nebenwirkungen geachtet, gerade auf psychische?
- Was tue ich, wenn Anzeichen einer Depression oder Angst auftreten?
Fazit: ein Plädoyer für informierte Entscheidungen
Finasterid wird bei Haarausfall und Prostatavergrößerung weiterhin breit eingesetzt. Die Risiken sind dennoch erheblich und verdienen genaues Hinsehen. Wenn Sie das Mittel nehmen oder darüber nachdenken, wägen Sie den Nutzen in Ruhe gegen die möglichen psychischen Folgen ab. Es gibt Alternativen, und Ihre seelische Gesundheit hat Vorrang.
Was hier steht, ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Entscheidungen über Ihre Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
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- Melden Sie danach Ihre Nebenwirkungen Ihrer Arzneimittelbehörde