Dr. Will Powers: Genforschung zu Post-Drug-Syndromen
Dr. Will Powers über die genetischen Muster, die er bei Menschen mit PFS gefunden hat. Ein Gespräch beim PFS/PSSD/PAS Summit 2026.
Beim PFS/PSSD/PAS Summit im April 2026 traf Robb von SIDEfxHUB Dr. Will Powers, einen Facharzt für Allgemeinmedizin. Es ging um Forschung, die ohne großes Aufsehen entsteht. Über mehrere Jahre hat er genetische Daten von Menschen mit Post-Drug-Syndromen gesammelt, Fall für Fall. Gemeint sind Beschwerden, die nach dem Absetzen eines Medikaments bleiben.
Wer Dr. Powers ist
Dr. Powers ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Dr. David Healy war selbst vor Ort und hat den Kongressbericht von RxISK (auf Englisch) geschrieben. Darin liest sich der Weg von Dr. Powers so: Über mehrere Jahre sammelte er Genomdaten von Patientinnen und Patienten in Transition. Manche von ihnen nahmen zusätzlich Finasterid, um den Haaransatz zu erhalten. So kam er mit dem Post-Finasterid-Syndrom (PFS) in Berührung. Danach sammelte er gezielt Genome von Menschen mit PFS. Er berichtet, er habe Muster gefunden, die zu dem passen, was diese Menschen schildern.
Was er bislang gefunden hat
Die nüchterne Kernaussage steht im selben Bericht. Auf eine Heilung deuten die Ergebnisse bislang nicht hin, und sie weisen auch nichts aus, das sich einfach reparieren ließe. Was sie irgendwann leisten könnten, ist enger gefasst. Sie könnten zeigen, wer Probleme bekommen könnte, bevor eines dieser Medikamente begonnen oder abgesetzt wird. Und welche Möglichkeiten man besser meidet.
Das ist eine andere Antwort als auf die Frage, warum das überhaupt passiert. Aber mit dieser Art Antwort ließe sich wirklich informiert entscheiden. Genau daran fehlt es heute, wenn diese Medikamente verschrieben werden.
RxISK berichtet außerdem, dass Dr. Powers in letzter Zeit auch Menschen mit sexueller Funktionsstörung nach SSRI-Einnahme (PSSD) gesehen hat. Das Muster sieht dort offenbar anders aus als bei Finasterid. Zu Beschwerden nach Isotretinoin sucht er noch Daten. Dazu liegt ihm bislang deutlich weniger vor.
Nichts davon ist bislang begutachtet oder unabhängig bestätigt, und eine Behandlungsempfehlung ist es erst recht nicht. Es ist eine frühe Musteranalyse, vorgestellt bei einem Forschungstreffen, kein Ergebnis. Wir berichten davon, weil die Forschung bei diesen Erkrankungen selten so lange dranbleibt. Und weil Dr. Powers nach Aussage der Anwesenden selbst offen gesagt hat, wie früh diese Arbeit noch steht.
Was daraus folgt
Auf dem Fachkongress war Dr. Powers einer von mehreren Ärztinnen und Ärzten, die gemeinsam an einem Konsensuspapier arbeiten. Es betrifft PFS, PSSD und das Post-Accutane-Syndrom (PAS) und soll vor Ende 2026 erscheinen. Dabei sind auch Dr. Kenneth Peters, der die Veranstaltung organisierte, sowie Dr. Irwin Goldstein und Dr. Rachel Rubin. Was auf dem Kongress besprochen wurde, schildert RxISK (auf Englisch) ausführlich aus erster Hand. Gründer Dr. David Healy war vor Ort.
Unser Dank
Wir danken Dr. Powers für die jahrelange Arbeit dahinter. Und wir danken Dr. Peters, der den Fachkongress organisiert und diese Arbeit mit anderen Forschenden zusammengebracht hat. Robb sprach auch mit Dr. Peters darüber, warum er die Veranstaltung organisiert hat: Dr. Kenneth Peters über den ersten Fachkongress zu PFS, PSSD und PAS.
Wenn Sie mit PFS, PSSD oder PAS leben, können Sie vor allem eines tun: sich zählen lassen. Tragen Sie sich ins Patientenregister ein, und melden Sie Ihre Nebenwirkungen - in Deutschland beim BfArM. Arbeiten wie die von Dr. Powers stehen und fallen damit, dass Menschen ihre Daten beisteuern.
Was hier steht, ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Entscheidungen über Ihre Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
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