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PFS und POIS: Besteht ein Zusammenhang?

Post-Finasterid-Syndrom (PFS) und POIS: gemeinsame Beschwerden, mögliche gemeinsame Mechanismen und neue Ansätze für die Behandlung.

Von Morten SkovVeröffentlicht Aktualisiert
PFS und POIS: Besteht ein Zusammenhang?

Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Post-Finasterid-Syndrom (PFS) und dem Post-Orgasmic-Illness-Syndrom (POIS)?

Das Post-Finasterid-Syndrom (PFS) und das Post-Orgasmic-Illness-Syndrom (POIS) sind zwei seltene Erkrankungen. Beide belasten Körper und Psyche schwer. PFS entsteht nach der Einnahme von Finasterid, einem 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Hinter POIS vermutet man eine Immunreaktion, die der Samenerguss auslöst. Die Auslöser sind also verschieden. Und doch überschneiden sich die Beschwerden, und womöglich liegen beiden dieselben Mechanismen zugrunde. Grund genug, genauer hinzusehen: Hängen die beiden Erkrankungen zusammen? Und könnte eine Behandlung der einen auch der anderen nützen?

Mehr über PFS lesen Sie unter Was ist das Post-Finasterid-Syndrom (PFS)? und Die verheerenden Folgen von Propecia. Zu POIS gibt es einen ausführlichen Übersichtsartikel (auf Englisch), zu PFS diese umfassende Studie zu Finasterid (auf Englisch).

Mögliche Zusammenhänge zwischen PFS und POIS

1. Gestörter Hormonhaushalt

PFS: Finasterid hemmt die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT). Damit stört es die Androgen-Signalwege, mit Folgen für die Neurosteroide und den Hormonhaushalt. Dass die Beschwerden bei PFS anhalten, könnte zwei Gründe haben: einen langfristig unempfindlich gewordenen Androgenrezeptor oder epigenetische Veränderungen.

POIS: Manchen Menschen mit POIS hilft eine Testosteron-Ersatztherapie (TRT) oder humanes Choriongonadotropin (hCG). Das spricht dafür, dass die Androgenregulation eine Rolle spielt. Die Empfindlichkeit gegenüber Hormonen könnte beiden Erkrankungen gemeinsam sein.

2. Neurosteroid-Signalwege

Beide Erkrankungen bringen ähnliche Beschwerden mit sich: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Angst, Depression. PFS hängt eng mit einer gestörten Bildung von Neurosteroiden zusammen. Das gilt vor allem für Allopregnanolon, das Stimmung und Denken maßgeblich steuert. Auch Menschen mit POIS berichten oft von Konzentrationsstörungen und geistiger Erschöpfung. Möglicherweise sind auch hier die Neurosteroide aus dem Takt geraten.

3. Beteiligung des Immunsystems

POIS: Vieles spricht für eine Autoimmunreaktion auf die Samenflüssigkeit. Der Körper schüttet Zytokine aus, und das löst Beschwerden im ganzen Organismus aus. Eine Hyposensibilisierung mit körpereigenem Ejakulat konnte diese Immunreaktion teilweise abmildern.

PFS: Als Autoimmunerkrankung gilt PFS bislang kaum. Doch manche Studien liefern Hinweise auf eine gestörte Immunregulation oder eine chronische Entzündung. Ursache könnten veränderte Neurosteroide oder eine gestörte Androgen-Signalübertragung sein. Hier liegt eine Parallele zum entzündlichen Mechanismus bei POIS.

4. Gemeinsame Beschwerden

Erschöpfung, kognitive Beschwerden, Angst und seelische Störungen treten bei beiden Erkrankungen auf. Offenbar ist jeweils der ganze Organismus beteiligt. Dahinter könnte eine hormonelle oder immunologische Fehlregulation stecken, die beide gemeinsam haben.

Was die eine Erkrankung über die andere verrät

1. Hormontherapien

Bei POIS wirken hCG oder TRT, vor allem bei niedrigem oder grenzwertigem Testosteronspiegel. Bei PFS wurde eine Androgen-Gabe untersucht, sie bleibt aber umstritten. Werden die Hormontherapien für jede der beiden Erkrankungen verfeinert, könnte das über die einzelne Erkrankung hinaus nützen.

2. Neurosteroide beeinflussen

Manche Behandlungen setzen an den gestörten Neurosteroid-Signalwegen an, etwa ein Ersatz von Allopregnanolon oder eine Beeinflussung des GABA-A-Rezeptors. Sie könnten gemeinsame Beschwerden wie Angst und Denkprobleme lindern. Beides sollte bei PFS wie bei POIS weiter untersucht werden.

3. Entzündungshemmende und immunmodulierende Therapien

POIS spricht auf immunmodulierende Behandlungen wie die Hyposensibilisierung an. Es könnte also helfen, gezielt an der Zytokinaktivität oder der Autoimmunität anzusetzen. Ob ähnliche Therapien auch Menschen mit PFS helfen, wäre zu prüfen. Hier könnten neue Behandlungswege liegen.

4. Personalisierte Medizin und Epigenetik

Beide Erkrankungen dürften mit der individuellen Veranlagung zusammenhängen, mit genetischen oder epigenetischen Prädispositionen. Die Suche nach gemeinsamen genetischen Markern oder epigenetischen Veränderungen könnte gemeinsame Mechanismen aufdecken. Und damit den Ansatz für eine gezielte Behandlung.

Überlegungen zu einem möglichen Zusammenhang

PFS und POIS haben unterschiedliche Auslöser. Doch ähnliche Mechanismen könnten beiden zugrunde liegen:

  • Hormonelle Empfindlichkeit: Ein veränderter Androgenrezeptor oder ein gestörter Hormonhaushalt könnte für beide anfälliger machen, trotz unterschiedlicher Auslöser.
  • Zusammenspiel von Neurosteroiden und Immunsystem: Gestörte Neurosteroidspiegel und ein aktiviertes Immunsystem greifen ineinander. Darin könnten die gemeinsamen Beschwerden im Denken und im Gefühlsleben wurzeln.
  • Genetische oder epigenetische Anfälligkeit: Erbanlagen oder epigenetische Veränderungen an Hormonrezeptoren oder im Immunsystem könnten erklären, warum nur manche Menschen diese Syndrome entwickeln.

Fazit

Direkte Belege für einen Zusammenhang zwischen PFS und POIS fehlen. Doch die Beschwerden überschneiden sich. In beiden Fällen ist der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht, und in beiden Fällen leidet der ganze Organismus. Gemeinsame Mechanismen sind also denkbar. Behandlungen, die an Neurosteroiden, Hormonhaushalt und Immunreaktion ansetzen, könnten deshalb beiden Erkrankungen zugutekommen.

Zum Weiterlesen:

Wer über die Grenzen einer einzelnen Erkrankung hinausblickt und mögliche Zusammenhänge ernst nimmt, findet vielleicht neue Behandlungswege. Das könnte das Leben vieler Betroffener leichter machen.

Was hier steht, ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Entscheidungen über Ihre Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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