Epigenetische Nebenwirkungen gängiger Medikamente
Können gängige Medikamente die Genaktivität lange über das Absetzen hinaus verändern? Was die Pharmakoepigenomik über epigenetische Nebenwirkungen sagt.

Epigenetische Nebenwirkungen gängiger Medikamente: ein neuer Blick
Ohne Medikamente ließen sich zahlreiche Erkrankungen nicht behandeln. Neuere Forschung legt jedoch nahe, dass sie auf genetischer Ebene verborgene, langanhaltende Spuren hinterlassen könnten. Das junge Forschungsfeld dazu heißt „Pharmakoepigenomik“. Es untersucht, wie Medikamente epigenetische Veränderungen auslösen können. Gemeint sind Veränderungen der Genexpression, die lange nach dem Absetzen bestehen bleiben.
Epigenetik verstehen
Epigenetik bezeichnet Veränderungen der Genexpression, bei denen die DNA-Sequenz selbst gleich bleibt. Umweltfaktoren können solche Veränderungen beeinflussen, auch die Medikamente, die wir nehmen. Das „Epigenom“ beschreibt den gesamten epigenetischen Zustand eines Organismus. Es bildet eine Brücke zwischen unseren Genen und der Umwelt.
Wie Medikamente das Epigenom beeinflussen
Neuere Studien zeigen: Gängige Medikamente können die DNA-Methylierung und Histonmodifikationen beeinflussen und so verändern, wie Gene abgelesen werden. Manche Blutdrucksenker können die DNA-Methylierung hemmen. Andere Wirkstoffe wie Isotretinoin können die Aktivität von Transkriptionsfaktoren beeinflussen und so langfristige genetische Veränderungen auslösen.
Mögliche langfristige Folgen
Solche epigenetischen Nebenwirkungen könnten zu verschiedenen Erkrankungen beitragen, darunter Krebs, neurologische Erkrankungen und sogar sexuelle Funktionsstörungen. Das wiegt schwer. Denn womöglich ist unser Bild von der Sicherheit eines Medikaments unvollständig. Das könnte verändern, wie wir Nutzen und Risiken von Medikamenten bewerten.
Die Zukunft der Medizin
Nach der Hypothese dieses jungen Forschungsfelds sollten epigenetische Tests fest in die Arzneimittelentwicklung einfließen. Wer die langfristigen epigenetischen Wirkungen eines Medikaments kennt, könnte Patientinnen und Patienten deutlich besser schützen. Und Behandlungen ließen sich individueller zuschneiden. Wächst das Feld weiter, könnte es die moderne Medizin grundlegend verändern.
Die vollständige Studie finden Sie bei ScienceDirect (auf Englisch).
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