Die Diagnosekriterien für das Post-Finasterid-Syndrom (PFS)
Das Post-Finasterid-Syndrom (PFS) (auf Englisch) steht in erster Linie mit der Einnahme von Finasterid in Zusammenhang, einem Wirkstoff, der häufig gegen…

Das Post-Finasterid-Syndrom (PFS) (auf Englisch) steht in erster Linie mit der Einnahme von Finasterid in Zusammenhang, einem Wirkstoff, der häufig gegen erblich bedingten Haarausfall und gutartige Prostatavergrößerung (BPH) verschrieben wird. PFS ist durch anhaltende sexuelle, körperliche und psychische Symptome gekennzeichnet, die weit über das Absetzen des Medikaments hinaus bestehen bleiben. Das Syndrom hat wegen der schweren Auswirkungen auf das Leben Betroffener zunehmend Aufmerksamkeit erhalten, da es häufig zu erheblichem Leid und einer verminderten Lebensqualität führt.
Zentrale Kriterien für die Diagnose von PFS
Notwendige Kriterien:
- Vorherige Einnahme von 5-Alpha-Reduktase-Hemmern: Die betroffene Person muss zuvor 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid, Dutasterid oder Sägepalme eingenommen haben.
- Anhaltende sexuelle Funktionsstörung: Die Person muss eine sexuelle Funktionsstörung erleben, die nach dem Absetzen des Medikaments fortbesteht. Das ist ein Kernmerkmal von PFS.
Zusätzliche Kriterien:
- Verlust der sexuellen Lust: eine anhaltende Verminderung oder ein vollständiger Verlust des sexuellen Verlangens nach dem Absetzen des Medikaments.
- Erektile Dysfunktion: fortbestehende Schwierigkeiten, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, nach Beendigung der Behandlung.
- Vermindertes Genital- und Orgasmusempfinden: eine dauerhafte Abnahme der Genitalempfindlichkeit und Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erreichen.
- Dauer der Symptome: Die Symptome müssen mindestens drei Monate nach Absetzen des Medikaments fortbestehen.
Ausschlusskriterien
Für eine PFS-Diagnose ist es wichtig, andere mögliche Ursachen der Symptome auszuschließen:
- Keine vorherige sexuelle Funktionsstörung: Die Person sollte vor der Einnahme des Medikaments keine vergleichbare sexuelle Funktionsstörung gehabt haben.
- Keine anderen medizinischen Erkrankungen: Es sollten keine anderen Erkrankungen vorliegen, die die Symptome erklären könnten.
- Keine aktuelle Medikation: Die Person sollte keine aktuellen Medikamente oder Substanzen einnehmen, die die Symptome erklären könnten.
- Keine Einnahme anderer Medikamente: Die Person sollte in der Vergangenheit keine anderen Medikamente wie Isotretinoin oder SSRI eingenommen haben, die zu ähnlichen Symptomen führen könnten.
Weitere Merkmale von PFS
Sexuelle Funktionsstörung steht bei PFS im Vordergrund, doch weitere Symptome und Merkmale können auftreten:
- Gynäkomastie: die Entwicklung von Brustgewebe bei Männern.
- Veränderte Spermaqualität: Veränderungen in Menge und Qualität des Spermas.
Weitere Effekte, die unabhängig von sexuellen Beschwerden auftreten, aber PFS begleiten können:
- Kognitive Beeinträchtigung: Probleme mit Gedächtnis, Konzentration und geistiger Klarheit.
- Depression und Suizidalität: anhaltend gedrückte Stimmung, Gefühle der Hoffnungslosigkeit und suizidale Gedanken.
Weitere Überlegungen
Es gibt Hinweise auf weitere körperliche Veränderungen, etwa eine Penisverkrümmung, bei Männern mit PFS, wobei unklar ist, ob diese bereits vor der Behandlung bestanden oder sich erst danach entwickelt haben. Forschung hat zudem Veränderungen der Neurosteroid-Spiegel, Veränderungen der Methylierung von 5-Alpha-Reduktase Typ 2 im Liquor sowie Verschiebungen der Darmflora bei PFS-Betroffenen gezeigt, wobei der zeitliche Zusammenhang und die Kausalität dieser Veränderungen noch unklar sind.
PFS ist eine komplexe Erkrankung, die eine sorgfältige Betrachtung der Vorgeschichte und der Symptome einer Person erfordert. Eine gründliche Einschätzung ist entscheidend, um festzustellen, ob die Symptome den Diagnosekriterien für PFS entsprechen.
Handeln Sie: Registrieren und melden
Wenn Sie vermuten, an PFS zu leiden, oder jemanden kennen, der betroffen ist, ist es wichtig, ärztlichen Rat einzuholen und alle möglichen Behandlungsoptionen zu prüfen. Sich selbst zu registrieren und Nebenwirkungen zu melden, trägt zudem zu einem besseren Verständnis von PFS bei und unterstützt die laufende Forschung.
- Registrieren Sie sich: Treten Sie dem PFS- & PSSD-Register bei und helfen Sie so, eine umfassende Datenbank aufzubauen, die zu besserer Forschung und mehr Aufmerksamkeit führen kann. Hier registrieren (auf Englisch).
- Nebenwirkungen melden: Wenn Sie Symptome von PFS erleben, ist es entscheidend, sie zu melden. Das hilft bei der Datenerhebung und führt zu einem besseren Verständnis und möglichen Behandlungen. Melden Sie Ihre Nebenwirkungen (auf Englisch).
Mit diesen Schritten tragen Sie zu den größeren Bemühungen bei, das Post-Finasterid-Syndrom zu verstehen und zu bekämpfen.
Weitere Informationen zu PFS finden Sie auf unserer Ressourcenseite (auf Englisch).