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Post-Finasterid-Syndrom (PFS): die Diagnosekriterien

Woran sich ein Post-Finasterid-Syndrom festmachen lässt: die zentralen Kriterien, die Ausschlusskriterien und weitere Merkmale von PFS.

Von Morten SkovVeröffentlicht Aktualisiert
Post-Finasterid-Syndrom (PFS): die Diagnosekriterien

Das Post-Finasterid-Syndrom (PFS) hängt in erster Linie mit der Einnahme von Finasterid zusammen. Der Wirkstoff wird häufig gegen erblich bedingten Haarausfall und gutartige Prostatavergrößerung (BPH) verschrieben. Kennzeichnend für PFS sind anhaltende sexuelle, körperliche und psychische Beschwerden. Sie bleiben weit über das Absetzen des Medikaments hinaus bestehen. Das Syndrom kann tief ins Leben Betroffener eingreifen. Oft verursacht es großes Leid und mindert die Lebensqualität. Deshalb rückt es zunehmend in den Blick.

Zentrale Kriterien für die Diagnose von PFS

Notwendige Kriterien

  • Frühere Einnahme von 5-Alpha-Reduktase-Hemmern: Die betroffene Person muss zuvor 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid, Dutasterid oder Sägepalme eingenommen haben.
  • Anhaltende sexuelle Funktionsstörung: Eine sexuelle Funktionsstörung muss nach dem Absetzen des Medikaments fortbestehen. Sie ist ein Kennzeichen von PFS.

Zusätzliche Kriterien

  • Verlust der Libido: Das sexuelle Verlangen ist nach dem Absetzen anhaltend vermindert oder ganz verschwunden.
  • Erektionsstörungen: Nach dem Ende der Behandlung fällt es weiterhin schwer, eine Erektion zu bekommen oder zu halten.
  • Vermindertes Empfinden im Genitalbereich und beim Orgasmus: Die Empfindlichkeit im Genitalbereich nimmt anhaltend ab, und ein Orgasmus ist schwer zu erreichen.
  • Dauer der Symptome: Die Symptome müssen mindestens drei Monate nach dem Absetzen fortbestehen.

Ausschlusskriterien

Für die Diagnose PFS müssen andere mögliche Ursachen der Symptome ausgeschlossen sein:

  • Keine frühere sexuelle Funktionsstörung: Die Person sollte vor der Einnahme keine vergleichbare sexuelle Funktionsstörung gehabt haben.
  • Keine anderen Erkrankungen: Es sollten keine anderen Erkrankungen vorliegen, die die Symptome erklären könnten.
  • Keine aktuellen Medikamente: Die Person sollte derzeit keine Medikamente oder Substanzen einnehmen, die die Beschwerden erklären könnten.
  • Keine früheren anderen Medikamente: Die Person sollte früher keine Medikamente wie Isotretinoin oder SSRI eingenommen haben, die ähnliche Beschwerden auslösen können.

Weitere Merkmale von PFS

Bei PFS steht die sexuelle Funktionsstörung im Vordergrund. Doch es können weitere Symptome und Merkmale auftreten:

  • Gynäkomastie: Bei Männern bildet sich Brustgewebe.
  • Veränderte Ejakulatqualität: Menge und Beschaffenheit des Ejakulats verändern sich.

Weitere Beschwerden können unabhängig von sexuellen Problemen auftreten, PFS aber begleiten:

  • Kognitive Beschwerden: Probleme mit Gedächtnis, Konzentration und geistiger Klarheit.
  • Depression und Suizidalität: anhaltend gedrückte Stimmung, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken.

Was sonst noch zu bedenken ist

Es gibt einige Hinweise auf weitere körperliche Veränderungen bei Männern mit PFS, etwa eine Penisverkrümmung. Ob sie schon vor der Behandlung bestanden oder erst danach entstanden, ist offen. Die Forschung zeigt außerdem veränderte Spiegel neuroaktiver Steroide bei PFS. Auch eine veränderte Methylierung von 5-Alpha-Reduktase Typ 2 im Liquor und eine verschobene Darmflora wurden beschrieben. Wann dies auftritt und ob es Ursache oder Folge ist, ist bislang nicht geklärt.

PFS ist eine komplexe Erkrankung. Vorgeschichte und Beschwerden müssen sorgfältig betrachtet werden. Erst eine gründliche Untersuchung zeigt, ob die Beschwerden den Diagnosekriterien für PFS entsprechen.

Was Sie jetzt tun können: eintragen und melden

Vermuten Sie PFS bei sich oder einem nahestehenden Menschen? Dann holen Sie ärztlichen Rat ein, und prüfen Sie alle Behandlungen, die infrage kommen. Außerdem können Sie sich eintragen und Ihre Nebenwirkungen melden. Damit helfen Sie, PFS besser zu verstehen, und unterstützen die laufende Forschung.

  • Ins Register eintragen: Tragen Sie sich ins Patientenregister ein. So helfen Sie, eine umfassende Datenbank aufzubauen, die Forschung und Aufmerksamkeit voranbringen kann.
  • Nebenwirkungen melden: Melden Sie Beschwerden, die auf PFS hindeuten - in Deutschland beim BfArM. Meldungen können die Datenlage verbessern und so zu neuen Erkenntnissen und möglichen Behandlungen führen. Wie das geht, erklärt unsere Anleitung zum Melden.

So helfen Sie mit, das Post-Finasterid-Syndrom zu verstehen und dagegen anzugehen.

Mehr zu PFS lesen Sie unter Was ist das Post-Finasterid-Syndrom (PFS)?.

Was hier steht, ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Entscheidungen über Ihre Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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