PFS: Androgenrezeptor-Genvarianten und Symptome
Genvarianten des Androgenrezeptors könnten die Symptome beim Post-Finasterid-Syndrom (PFS) beeinflussen.

Vom Post-Finasterid-Syndrom (PFS) spricht man, wenn bei Männern nach der Einnahme von Finasterid Nebenwirkungen lange anhalten. Meist wurde das Mittel gegen erblich bedingten Haarausfall genommen. Neuere Forschung geht der Frage nach, ob bestimmte Varianten im Androgenrezeptor-Gen (AR-Gen) zu den Symptomen bei PFS beitragen.
Die Rolle von Androgenrezeptor-(AR-)Genvarianten
Finasterid hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase, das Testosteron in die stärker wirksame Form Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. Bei manchen halten die Nebenwirkungen aber auch nach dem Absetzen an. Die Studie untersucht deshalb zwei Varianten im AR-Gen, (CAG)n und (GGN)n. Sie fragt, wie diese mit den Beschwerden der Betroffenen zusammenhängen.
Studienaufbau und Methodik
Untersucht wurde das AR-Gen von 66 weißen Männern aus Italien, den Vereinigten Staaten und weiteren Ländern. Alle füllten drei Fragebögen aus: die Arizona Sexual Experience Scale (ASEX), die Aging Male Symptom Scale (AMS) und einen eigens entwickelten Bogen mit 100 Fragen.
Die (CAG)n- und (GGN)n-Wiederholungen im AR-Gen wurden als kurz, mittel oder lang eingestuft. Dann verglichen die Forschenden, welche Beschwerden bei welcher Wiederholungslänge auftraten.
Wichtige Befunde
Dabei zeigte sich:
- Sexuelle Funktionsstörung: Bei kurzen (CAG)9-19-Wiederholungen gingen sexuelles Verlangen und Libido stärker zurück als bei mittleren. Lange (CAG)25-37-Wiederholungen gingen mit einem weniger befriedigenden Orgasmus einher.
- Trockene Haut: Hier verlief die Kurve U-förmig. Trockene Haut trat bei kurzen und bei langen (CAG)n-Wiederholungen häufiger auf als bei mittleren.
- Beschwerden am Hodensack und Muskelkrämpfe: Mit kurzen (CAG)9-19-Wiederholungen klagten die Männer seltener über Beschwerden am Hodensack. Unwillkürliche Muskelkrämpfe kamen dagegen bei langen (CAG)25-37-Wiederholungen häufiger vor.
Bedeutung für das Verständnis von PFS
Die Länge der (CAG)n- und (GGN)n-Wiederholungen könnte also mitbestimmen, welche Beschwerden bei PFS auftreten und wie schwer sie ausfallen. Die Arbeit gibt wertvolle Einblicke in die komplexen genetischen Faktoren, die zu PFS beitragen könnten. Und sie zeigt, wie viel Forschung hier noch fehlt.
Fazit
Die Studie bringt das Wissen über die genetischen Grundlagen von PFS ein gutes Stück voran. Wer weiß, welche Genvarianten mit welchen Beschwerden einhergehen, kommt den Mechanismen dahinter näher. Irgendwann führt das vielleicht zu Therapien, die gezielt lindern.
Die vollständige Studie: Androgen Receptor (AR) Gene (CAG)n and (GGN)n Length Polymorphisms and Symptoms in Young Males With Long-Lasting Adverse Effects After Finasteride Use Against Androgenic Alopecia (auf Englisch).
Zum Weiterlesen
- Vollständige Studie zu Androgenrezeptor-Genvarianten (auf Englisch)
- Post-Finasteride Syndrome Foundation (auf Englisch)
- Sexual Medicine Open Access Journal (auf Englisch)
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