Länge des Androgenrezeptor-Gens bei PFS und Haarausfall
Post-Finasterid-Syndrom und Genetik: wie Varianten im Androgenrezeptor-Gen das Risiko für anhaltende Nebenwirkungen von Finasterid beeinflussen könnten.

Genetische Faktoren beim Post-Finasterid-Syndrom (PFS)
Finasterid wird häufig gegen erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie, AGA) und gutartige Prostatavergrößerung verschrieben. Bei manchen Menschen wird es mit Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, die auch nach dem Absetzen bleiben können. Für diese Beschwerden hat sich der Sammelbegriff Post-Finasterid-Syndrom (PFS) durchgesetzt. Neuere Studien deuten darauf hin, dass die Veranlagung eine Rolle spielt: Manche Menschen sind für solche anhaltenden Nebenwirkungen anfälliger als andere.
Die Rolle von Polymorphismen des Androgenrezeptor-Gens (AR)
Im Verdacht stehen zwei Polymorphismen im Androgenrezeptor-Gen (AR): CAG (rs4045402) und GGN (rs3138869). Sie beeinflussen vermutlich, wie empfindlich jemand auf Finasterid reagiert. Beide kommen in unterschiedlichen Längen vor. Davon hängt womöglich ab, wie gut das AR-Gen arbeitet - und wer nach einer Finasterid-Behandlung PFS entwickelt.
Studienüberblick und Ziele
Die Studie verglich drei Gruppen von Männern:
- AGA+PFS-Gruppe: 69 Männer, die Finasterid gegen erblich bedingten Haarausfall eingenommen und anhaltende Nebenwirkungen (PFS) entwickelt hatten.
- AGA-Gruppe: 91 unbehandelte Männer mit erblich bedingtem Haarausfall.
- NO-AGA-Gruppe: 76 unbehandelte Männer ohne erblich bedingten Haarausfall.
Die Forschenden wollten wissen, ob sich die Gruppen bei rs4045402 und rs3138869 deutlich unterscheiden. Und ob extreme Längen dieser Polymorphismen bei Männern mit PFS gehäuft auftreten.
Wichtige Ergebnisse
Allele mit extremer Länge der CAG- und GGN-Polymorphismen kamen in der AGA+PFS- und in der AGA-Gruppe häufiger vor als in der NO-AGA-Gruppe. Diese Genvarianten hängen also womöglich nicht nur mit dem Haarausfall zusammen. Sie könnten auch anfälliger für anhaltende Nebenwirkungen von Finasterid machen.
- CAG-Polymorphismus: Allele mit extremer Länge traten in der AGA+PFS-Gruppe deutlich häufiger auf (24,6 %) als in der NO-AGA-Gruppe (5,3 %).
- GGN-Polymorphismus: Auch hier waren Allele mit extremer Länge in der AGA+PFS-Gruppe häufiger (20,3 %) als in der NO-AGA-Gruppe (3,8 %).
Bedeutung für die Zukunft
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Veranlagung mitentscheidet, wer nach einer Finasterid-Behandlung PFS entwickelt - allen voran Varianten im AR-Gen. Wer Finasterid verschreibt, sollte die genetische Seite also mitbedenken, gerade bei Menschen mit möglicherweise erhöhtem Risiko.
Bestätigen muss sich das allerdings erst, und zwar über verschiedene ethnische Gruppen hinweg. Gesucht werden auch weitere pharmakogenetische Marker, mit denen sich die Anfälligkeit für PFS vorhersagen ließe. Dafür braucht es prospektive Studien mit größeren Stichproben und passenden Kontrollgruppen. Sie sollen die Befunde absichern und die genetischen Mechanismen hinter PFS aufklären.
Fazit
Je besser PFS verstanden wird, desto klarer zeigt sich, was ein genetisches Screening leisten könnte: die Risiken einer Finasterid-Einnahme im Voraus eingrenzen. Wer ein erhöhtes Risiko trägt, ließe sich vorher erkennen. Ärztinnen und Ärzte könnten dann fundierter entscheiden. Womöglich ließen sich so genau die anhaltenden Nebenwirkungen verhindern, die schon das Leben vieler Männer beeinträchtigt haben.
Die vollständige Studie: Finasteride, Androgen Receptor Gene Polymorphisms, and Post-Finasteride Syndrome (auf Englisch).
Zum Weiterlesen
- Die vollständige Studie zu Finasterid und AR-Gen-Polymorphismen (auf Englisch)
- Post-Finasteride Syndrome Foundation (auf Englisch)
- Journal of Biological Markers (auf Englisch)
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